Wie Liverpools U18-Spieler Oakley Cannonier in den Fokus geriet


Gefährliche Ecke


Oakley Cannonier ist seit Anfang Mai der berühmteste Balljunge Englands. Weil er maßgeblich am Liverpooler Wunder gegen den FC Barcelona beteiligt war. Bald könnte er auch auf dem Platz für Schlagzeilen sorgen.

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Was wir über Oakley Cannonier wissen: Er wurde im Jahr 2004 geboren, ist also 14 oder 15 Jahre alt, er stürmt trotzdem schon jetzt für die U18 des FC Liverpool, und gestern, in seinem ersten Einsatz für diese Mannschaft, traf er sofort, zum 2:0 beim 4:0 Pre-Season-Erfolg gegen Burton Albion. Was für Leute, deren Schicksal nicht von Pre-Season-Resultaten nordenglischer Jugendmannschaften abhängt, natürlich einigermaßen egal wäre – gäbe es nicht José Mourinho, der Oakley Cannonier, zwar ohne dessen herausragenden Namen zu kennen, ganz großartig findet: »Der Junge? Sehr intelligent, sehr aufgeweckt.«



Gelobt hatte Mourinho den Nachwuchsspieler live im Fernsehen. Nicht nach dem 4:0 der U18 gegen Burton, sondern nach dem 4:0-Wunder der ersten Mannschaft gegen den FC Barcelona. Bei dem Cannonier natürlich nicht auf dem Platz stand, dafür aber direkt daneben. Als Balljunge. Vor der Ecke, die Trent Alexander-Arnold flach in den Barcelona-Strafraum zirkelte und die ihm schon mit 20 Jahren Legendenstatus bescherte, war es Cannonier, der den Ball gedankenschnell – beziehungsweise intelligent und aufgeweckt – rasch zum Liverpooler Außenverteidiger zurückrollte. So dass dieser Barcelonas Abwehr auf dem falschen Fuß erwischen konnte.


Bild: @Gerrard8FanPage bei twitter

Weshalb Mourinho nach dem Spiel vor allem den namenlosen Balljungen lobte. »Balljungen müssen genau wissen, wann der Ball schnell wieder im Spiel sein soll. Dann muss es fix gehen. Ich war lange bei einem Verein« – Mourinho meinte Manchester United – »wo man nicht verstand, wie wichtig gute Balljungen sind.« Bei Manchester tauschte Mourinho deswegen die Balljungen sogar aus und sorgte dafür, dass seit 2017 U16-Spieler aus der Akademie am Seitenrand hocken und keine verschüchterten Kinder, denen man mit den exklusiven Plätzen eine Freude machen möchte.



Der englische Moukoko?



In England entstand nach dem Spiel und Mourinhos Worten ein kleiner Hype um Cannonier. Alexander-Arnold ließ sich mit dem Nachwuchsstürmer fotografieren, Zeitungen fanden heraus, dass Akademie-Trainer Carl Lancester, der die Balljungen für Spiele an der Anfield Road einteilt, sogar eine Art Matchplan für den Spielfeldrand entwickelt und seine Jungs dazu angehalten hatte, bei Eckbällen so schnell wie möglich einen Ball bereitzuhalten. Weil die Stars des FC Barcelona oftmals zunächst mit dem Schiedsrichter diskutierten, wenn dieser Richtung Eckfahne zeigen würde. Irische TV-Experten forderten eine lebenslange Dauerkarte für den aus Leeds stammenden Cannonier, der Independent schrieb, dass Cannonier nicht nur als Balljunge abliefern würde, sondern beim FC Liverpool bereits einige Altersklassen übersprungen habe. Und das nächste große Ding werden könnte.



Eine in dem Alter vergleichbare Prominenz erreicht hat in Deutschland höchstens Dortmunds Youssoufa Moukoko. Der kürzlich einen neuen B-Jugend-Torrekord aufstellte und nun als 14-Jähriger für die U19 antritt. Bisher scheint Moukoko mit der Aufmerksamkeit um seine Person gut zurecht zu kommen. Ob das Cannonier ebenfalls gelingt? Wer weiß. Andererseits hat er als bisher einziger 14-Jähriger der Welt ein Champions-League-Halbfinale mitentschieden. Und José Mourinho überzeugt. Wie sollen ein paar etwas ältere Gegenspieler und hysterische Zeitungsartikel ihn jetzt noch aus der Ruhe bringen?

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