Warum die Europacup-Saion der Eintracht so großartig war

Trotzdem Sieger

Eintracht Frankfurt scheidet aus der Europa League aus. Diese Saison der SGE wird aber trotzdem lange im Gedächtnis bleiben. Weil sie gezeigt hat, was eine echte Verbindung zwischen Mannschaft und Fans bewirken kann.

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Es gibt ein Foto von Martin Hinteregger, das die Saison von Eintracht Frankfurt auf den Punkt bringt. Es ist wenige Minuten nach Hintereggers verschossenem Elfmeter entstanden, der Eintracht Frankfurt das Europa-League-Finale gekostet hat. Der Österreicher steht bei den Fans in der Kurve, einer der Anhänger drückt Hinteregger an seine Brust, hält seinen Kopf. Hintereggers Trikot ist übersät mit Dreck- und Grasflecken. Seine Augen sind fest geschlossen, er versinkt in dieser Umarmung, auf seinem Gesicht ein Ausdruck tiefen Trosts. Von oben leuchten die Flutlichter.

Martin Hinteregger ist ein Baum von einem Mann, knapp 1,90 Meter groß, und wenn er einen seiner unerbittlichen Zweikämpfe führt, deren Knirschen man bis unters Stadiondach hören kann, wirkt er sogar noch ein wenig größer. Aber in dieser Szene ist er ganz klein. Ein einsamer Mensch, der noch wenige Augenblicke zuvor in der Leere des eigenen sportlichen Scheiterns stand, irgendwo auf einem Londoner Rasen, mit den Augen ins Nichts, und der von einem unbekannten Fan, der sich heute auf dem potentiellen Sportfoto des Jahres wiederfindet, zurück ins Leben umarmt wird.



Nach großen, krachenden Niederlagen folgt im Fußball oft die Leere. Nicht so bei den Fans von Eintracht Frankfurt am Donnerstagabend. Sie füllen das Vakuum mit ihren Gesängen, die in dieser Saison so oft viel mehr als Gesänge waren, fast schon Prophezeiungen. »Wir schenken euch unsere Herzen«, sangen sie gegen Benfica Lissabon, »und ihr schenkt uns den Sieg«. Gegen Benfica wurde das Wirklichkeit. Niemand, der beim Heimspiel gegen Lissabon dabei war, wird die Energie je vergessen, die von den Rängen aufs Feld und zurück schwappte, immer und immer wieder, bis die Eintracht tatsächlich gewonnen hatte.

»Eintracht Frankfurt, Walzer tanzen wir, du mit mir. Ich mit dir.«

»Ob mit Bus oder Bahn oder Flugzeug, scheißegal«, hörte man in Rom, Mailand oder London, von Fans, die mit Bus oder Bahn oder Flugzeug angereist waren. Von der »heiligen Gemeinschaft«, wenn die nächste Sensations-Choreo die Augen der Spieler zum Leuchten brachte. Oder einfach das festliche: »Eintracht Frankfurt, Walzer tanzen wir, du mit mir. Ich mit dir.«

Du mit mir, ich mit dir, eine so einfache, tiefe Wahrheit. Wenn die Auftritte der Eintracht in dieser Europa-League-Saison eines gezeigt haben, dann dass sie tatsächlich existieren kann, die Symbiose zwischen Mannschaft und Fans, eine Einheit, die mehr ist als das abstrakte Verhältnis zwischen jenen, die zeitweise ein Trikot mit einem bestimmten Wappen überstreifen, und jenen, die ihre Zeit, ihr Geld, ihre Leidenschaft für dieses Wappen opfern. Die ihre Kinder nach Spielern benennen, die bald woanders sind. Die nach Charkiw fliegen, ohne Ticket. Die Europacup-Saison der Eintracht hat gezeigt, dass man tatsächlich Teil eines großen Ganzen sein kann, das den Spielern ähnlich viel gibt wie den Fans.