Die Lehren aus dem Debüt von Thomas Doll

Kein Happy End in Sicht

Thomas Dolls Rückkehr in die Bundesliga verlief alles andere als triumphal. Warum Hannover mit dem 0:3 war noch gut bedient war, weshalb die Doll-Kritiker Rückenwind bekommen und was jetzt passieren muss.

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Wir alle suchen im Leben nach Happy Ends und Wendungen, wie sie die Traumfabrik Hollywood uns liefert. Und wäre es nicht eine schöne Pointe für das Leben des Thomas Doll, wenn er in Hannover jetzt großen Erfolg feiern würde?

In Deutschland in Ungnade gefallen nach einer schweren Zeit in Dortmund flüchtet unser Held erst in die Türkei und dann nach Ungarn. Dort feiert er Erfolge (drei Pokalsiege, einen Meistertitel) und findet zugleich zurück zu sich selbst. Bei seiner Rückkehr ist er ein neuer, erfolgreicherer Trainer.

Das Leben ist kein Hollywood-Film. Und so bestärkte Dolls Debüt gegen Hannover 96 die schlimmsten Befürchtungen der Doll-kritischen Hannover-Fans. 

Retro-Taktik

Beim 0:3 gegen Leipzig lief für Hannover weniger als nichts zusammen. Dolls Idee, seine Mannschaft in einem 4-2-3-1-System spielen zu lassen, sollte das Team stabilisieren. Defensiv stellte sich Hannover mit zwei Viererketten auf, suchte den Zugriff im zentralen Mittefeld. Nach Ballgewinnen, so der Plan, sollte der Ball schnell nach vorne gespielt werden, entweder auf Stürmer Jonathas oder auf die schnellen Takuma Asano und Nicolai Müller. 

Als Doll 2009 die Bundesliga verließ, war diese Taktik hochmodern. Schnelles Umschaltspiel aus einem 4-2-3-1, gepaart mit einem Pressing im Mittelfeld: Jürgen Klopp eroberte so mit Borussia Dortmund zwei Bundesliga-Titel. Im Jahr 2019 hat sich die Bundesliga längst weiterentwickelt. Fünferketten-Systeme und ausgefeilte Ballbesitz-Strategien sind hier der letzte Schrei. Dennoch könnte auch heute ein gutes 4-2-3-1-Mittelfeldpressing noch funktionieren. Wie Otto Rehhagel so schön sagte: »Modern ist, wer Erfolg hat.«

Kein Torschuss, keine Chance

Es lag weniger an der fehlenden Modernität, dass Hannovers Taktik nicht aufging. Zum Einen führten Hannovers Spieler das eigene System nicht gut aus. Die Viererketten standen zu breit, konnten somit keinen Zugriff erhalten im wichtigen Mittelfeld-Zentrum. Hannover kam nie so richtig in die Zweikämpfe. Das verwunderte etwas, denn ganz neu war das System für Hannover nicht: Bereits in der Hinrunde favorisierte Doll-Vorgänger Andre Breitenreiter ein Mittelfeldpressing im 4-2-3-1.