Zum Abschied von Nuri Sahin

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Nuri Sahin verlässt Borussia Dortmund. Mit ihm geht der eigentliche Kapitän der 2011er Meistermannschaft endgültig von Bord. Doch der Abschied ist nicht für immer. Er bleibt Dortmunder.

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Transfercoup am Deadline Day. Werder Bremen verpflichtet Nuri Sahin. Der Dortmunder Mittelfeldmann unterschreibt einen Zweijahresvertrag. In der Planung von Lucien Favre spielt er keine Rolle mehr. In den Herzen der Dortmunder Fans schon. Sahin, der ehemalige türkische Nationalspieler, ist einer der großen Borussen. Seine Karriere im Verein ist Spiegelbild für die Entwicklung der Borussia der letzten 15 Jahre, die sich nach ganz oben kämpften, Rückschläge verdauen mussten und immer noch da sind. Eine Spielzeit bleibt besonders in Erinnerung.

In dem Jahr, in dem Dortmund fliegen lernte, war Nuri Sahin der Kapitän. Wenn auch ohne Binde. Er orchestriert das Spiel. Mit nun 22 Jahren gelingt ihm alles. Immer wieder findet er Lucas Barrios hinter der Abwehr. Bayern erledigt er im Alleingang. Im Hinspiel zirkelt er einen Freistoß in Netz, im Rückspiel beantwortet er Luiz Gustavos frühen Ausgleich mit einem fantastischen Schlenzer aus 18 Metern.

Das Gerüst steht

Überhaupt 2010/2011: Dieses Jahr, dass sich mehr als anderen in die Herzen der Borussen brennt. Das Gerüst der Wembley-Mannschaft um Hummels, Subotic, Sven Bender, Großkreutz, Kuba, Piszczek, Lewandowski steht bereits. Aber im Kader sind auch Antonio Da Silva, Markus Feulner, Mohamed Zidan, Damien Le Tallec, Marco Stiepermann. Vereinslegende Dede ist in seinem letzten Dortmunder Jahr, wird von Marcel Schmelzer verdrängt. Die Keeper hinter Weidenfeller heißen Mitch Langerak und Johannes Focher.

Alles ist neu. Mit jedem Sieg wird der Glaube an die erste Meisterschaft nach der Zeit im Vorraum der Pathologie, den langen Jahren des Größenwahns und dem tiefen Fall, größer. Der Mannschaft fliegen die Herzen zu. Dem Trainer sowieso. Und der hat Nuri Sahin zu seinem Spieler gemacht. Am Ende der Saison wird er in 30 Spielen sechs Tore erzielt haben, acht weitere Treffer bereitet er vor.

Heimat, auch für Sahin

In den letzten vier Spielen fehlt er mit einer Knieverletzung, dann verabschiedet er sich. In Dortmund ist man verstimmt, aber auch stolz: Einer von uns hat es bis ins Bernabeu geschafft, wird für die Königlichen auflaufen. Sahin sagt: »Real ist der größte Klub der Welt.« Aber auch: »Ich liebe Dortmund. Ich liebe den Verein.« Man glaubt es ihm.

Er ist der erste Spieler der neuen Borussia, der von der Konkurrenz abgeworben wird. Zahlreiche Leistungsträger werden ihm folgen. Wäre alles anders gekommen hätte er damals das Angebot ausgeschlagen? Wären Lewandowski, Hummels, die Götze, Kagawa in Dortmund geblieben? Nein. Dortmund ist keine Weltstadt. Borussia Dortmund ist kein Weltverein. Auch wenn sie es so gerne sein würden. Aber Borussia Dortmund ist Heimat. Für die Fans, aber auch für Sahin, der im Januar 2013 nach nur 18 Monaten wieder da ist.

Die Vereinsspitze kommt direkt mit dem Charterflug aus dem Trainingslager, die lokalen Medien tickern und twittern. Watzke grinst, gibt den Wowereit. »Nuri is back. Und das ist auch gut so.« Dortmund ist ein Tränenmeer, der verlorene Sohn zurück.