Warum ein Londoner Zwölftligist tausende Trikots verkauft

Internationaler Kassenschlager

Der Clapton Community FC hat noch kein einziges Pflichtspiel bestritten, aber schon tausende Fans gewonnen. Der Grund ist ein ganz besonderes Auswärtstrikot.

Simon Volpers

Gestern Abend war es des Guten dann doch zu viel. »Wir werden die Trikot-Vorbestellungen temporär aussetzen müssen«, verkündete der Clapton Community FC auf seiner Homepage. Man komme mit der Verwaltung nicht mehr hinterher und der Hersteller veranschlage bereits jetzt eine Wartedauer von mindestens sechs Wochen. Beim Londoner Amateurklub sind binnen weniger Tage tausende Shirt-Bestellungen aus aller Welt eingetroffen. Wie konnte das passieren?

Die Geschichte beginnt eigentlich bei einem anderen Verein mit großer Verwechslungsgefahr. Jahrelang hatte eine große Zahl Londoner Fußballfans den Clapton FC – ohne »Community« – aus dem Osten der Stadt unterstützt. Die Anhänger nannten sich »Clapton Ultras« und waren über die Landesgrenzen hinaus bekannt für ihren Support, aber auch für ihr soziales Engagement, linke politische Inhalte und einen andauernden Clinch mit ihrem Vereinsboss. Bis sie in diesem Sommer genug hatten und, dem Vorbild anderer britischer Fan-Vereine folgend, ihren eigenen Klub gründeten.

Heimspiel im Auswärtsdress

Seit Anfang Juni existiert dementsprechend der Clapton Community FC, kurz CCFC, der von seinen Mitgliedern basisdemokratisch und transparent geführt werden soll. Bisher hat das kurzerhand zusammengecastete Team noch kein einziges Pflichtspiel bestritten, kann sich aber dennoch auf die Unterstützung seiner Fans verlassen. Zu einem Testkick am vergangenen Samstag, der Heimpremiere des neuen Vereins, kamen 232 Zuschauer. Für einen künftigen Zwölftligisten ist das eine beachtliche Zahl.

Dass die ersten 60 Exemplare der brandneuen Heim- und Auswärtsjerseys direkt bei ihrer Präsentation verkauft wurden, ist deshalb wenig überraschend. Mit 250 verkauften Shirts rechnete der Klub für die gesamte Saison. Doch nachdem der CCFC am Samstag ausgerechnet zum Heimauftakt erstmals in seinem Auswärtsdress antrat, sollten noch die kühnsten Vorsehungen torpediert werden.

5 000 statt 250

Beinahe im Minutentakt trudelten die Bestellungen für das Trikot ein, schnell waren die 250 erwarteten Bestellungen geknackt. Bereits am Montag war diese Zahl ums zehnfache übertroffen worden. Der CCFC-Online-Shop, der die einzige Möglichkeit bietet, Merch des Stadtteilklubs zu ordern, war da längst einmal aufgrund des massiven Ansturms zusammengebrochen. Am Donnerstag betrug die Zahl der bestellten Trikots dann schon über 5 000 Exemplare.

Dabei ist das Shirt auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig. Es ist geteilt in die Farben rot und lila, dazu kommen ein gezackter, gelber Brustring und diverse, dreispitzige Sterne. Das Design hat allerdings eine historische Bedeutung: Es sind die Farben der Internationalen Brigaden, die im Spanischen Bürgerkrieg auf der Seite der Zweiten Spanischen Republik kämpften.


Foto: Clapton CFC