Als 123 Tore nicht reichten

Kein Nichtaufstieg war Hertha

Wie schafft es eine Mannschaft mit einer Tordifferenz von +81 und 31 Siegen nicht aufzusteigen? Der Hertha gelang 1981 genau dieses Kunststück.

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1981. ABBA machte die heißeste Musik, die man sich vorstellen konnte, der HSV schwang sich gerade zur titelreichsten Zeit seiner Geschichte auf und Thomas Broich erblickte das Licht der Welt. Die Welt schien im Gleichgewicht. Doch in der Zweiten Liga passierte damals etwas, das nie zuvor und nie danach dagewesen war. Die Hertha aus Berlin pflügte durch die Liga. Schoss 123 Tore und schaffte es trotz allem nicht aufzusteigen. Wie konnte so etwas passieren? 

Die Ausgangssituation

Wir schreiben den 16. April 1981. Die Zweite Liga steht Kopf. Dritter gegen Erster. Berlin gegen Bremen. Im Olympiastadion vor 72 000 Zuschauern! Die Hertha, die kurz vor Saisonende bereits über 100 Tore geschossen hat, verliert gegen die von Otto Rehhagel trainierten Bremer mit 1:2. Der Meistertitel scheint verloren, Platz zwei ist für die Berliner allerdings noch möglich.

Die Zweite Liga wurde damals noch in zwei Staffeln ausgespielt. In der Liga Nord tummelten sich Mannschaften wie Werder Bremen und Hannover 96. In der Liga Süd dagegen Vereine wie der SC Freiburg und die Kickers Offenbach. Zur Saison 1981/82 sollte sich das allerdings ändern. Die Ligen sollten zu einer Liga zusammengelegt werden und so waren dutzende Mannschaften akut vom Abstieg bedroht. Denn ein ausgeklügeltes Wertungssystem machte allen Zweitligisten ordentlich Druck.

Wem die ganzen Rechnungen zu kompliziert waren, musste sich darauf verlassen, unter die ersten Vier zu kommen. Denn diese sollten zusammen mit den Bundesligabsteigern den Kern der neuen eingleisigen Zweiten Liga bilden. Am sichersten war es jedoch schon damals schon gewesen: einfach aufsteigen. Die beiden Meister durften in der nächste Saison eine Klasse höher spielen. Die beiden Zweitplatzierten der zweiten Ligen stritten sich dann in der Relegation um den dritten Aufstiegsplatz. Am Ende der Saison stiegen dank der Zusammenlegung die letzten zwölf Mannschaften der 2. Liga Nord ab. Darunter auch vermeintliche Größen wie Holstein Kiel und Preußen Münster.

Tore am Fließband

Ein weiterer Unterschied zur heutigen Zweiten Liga war die Torausbeute aller Mannschaften. Besonders die der Top-Teams. Die ersten drei Mannschaften der 2. Bundesliga Nord erzielten zusammen sage und schreibe 322 Tore. Alleine die Hertha erzielte im Schnitt pro Spiel drei Tore (123 insgesamt). Zudem hatten die Berliner die zweitbeste Abwehr der Liga mit nur 42 Gegentoren. Am Ende der Saison wies die Hertha ein Torverhältnis von +81 auf und hatte 64:20 Punkte. Zu sagen die Hertha sei nicht aufgestiegen, weil zwei Mannschaften besser waren, ist an dieser Stelle schlichtweg zu einfach. Es muss mehr gegeben haben, damit die mit Abstand beste Offensive nicht weiter vorne in der Tabelle gelandet ist. Und was sind überhaupt 64:20 Punkte?