Warum Borussia Dortmund noch nicht den perfekten Favre-Fußball gespielt hat

Die Beta-Version

4:1 gegen Rasenballsport Leipzig: Ein Einstand nach Maß für Lucien Favres BVB. Bis zum perfekten Favre-Fußball ist es jedoch noch ein weiter Weg.

imago

Alle Augen auf Lucien Favre. Der Schweizer Trainer personifiziert die Hoffnung der schwarz-gelben Anhänger: Der neue Trainer soll nach zwei turbulenten Jahren den kompletten Neuanfang in Dortmund einläuten.

Der Trainerposten macht allerdings nur einen kleinen Teil des Umbruchs aus, den Borussia Dortmund eingeleitet hat. Beim Saisonauftakt standen gleich drei Neuzugänge in der Startelf, acht der 14 gegen RB Leipzig eingesetzten Spieler spielen erst seit einem Jahr oder noch kürzer in Dortmund. Schon beim 4:1-Sieg gegen Leipzig zeigt sich also: Dortmund wagt den totalen Umbruch. Auf der Trainerposition, im Kader – und auch in der Taktik. Wir erläutern fünf Veränderungen, die beim Auftaktsieg des BVB zu bestaunen waren.

1. Neuer Trainer, nicht ganz neues Spielsystem

Favre verfolgt seit seiner Zeit bei Borussia Mönchengladbach der Ruf, ein Taktikfuchs zu sein. In Gladbach kultivierte er das Spiel ohne echte Spitze, seine Mannschaft lief häufig in einem 4-4-2-0 auf. In Dortmund hingegen probiert Favre etwas Neues.

Favre stellte seine Elf zum Bundesliga-Debüt in einem 4-3-3 auf. Die Abläufe innerhalb des Systems waren relativ klassisch: Die Außenstürmer Marco Reus und Christian Pulisic zogen häufig in die Mitte. Reus zog dabei in seiner gewohnt tororientierten Spielweise häufig in Richtung Strafraum. Das erlaubte wiederum Stoßstürmer Maximilian Philipp, auch mal auf die Flügel auszuweichen. Die Außenverteidiger besetzten wiederum die Flügel.

Ganz neu waren diese taktischen Wechselspielchen nicht. Auch Favres Vorgänger Peter Bosz und Peter Stöger setzten auf 4-3-3-Systeme, die in der Systematik ähnlich waren. Favre setzt in diesem Punkt etwas überraschend auf Kontinutität.

2. Mehr Physis, mehr Laufstärke: Neue Zusammensetzung im Mittelfeld

Der Teufel steckt wie so oft im Detail. Unter Favre interpretierten die Dortmunder das eigene System anders als unter den Vorgängern. Das lag vor allem am neuen Mittelfeld-Trio. Axel Witsel schaltete sich als tiefster Sechser in den Spielaufbau ein, Thomas Delaney schob häufig nach vorne und bot eine Anspielstation hinter den Spitzen. Mahmoud Dahoud tobte sich als Wirbelwind zwischen seinen beiden Kollegen aus. Mit knapp 13 Kilometern legte er die größte Laufleistung aller Feldspieler zurück.

Dortmunds Mittelfeld agierte deutlich kompakter als in der Vorsaison. Die drei Spieler im Mittelfeld agierten äußerst eng aneinander, wollten das Zentrum unter allen Umständen sichern. Dieser hohe Fokus auf ein kompaktes Zentrum ist typisch für Favre – und unterscheidet ihn vor allem von Vorgänger Bosz, der seine Mittelfeldspieler häufig weit vorrücken ließ.