Italiens absurder Kampf um die Kapitänsbinde

Die einzige Braut

Seit dieser Saison müssen die Spielführer der Serie A einheitliche Kapitänsbinden tragen. Allein, sie halten sich nicht an die neue Regel. Das führt zu ungeahnten Problemen.

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Es ist gar nicht so schwer, einen gemeinsamen Nenner für Frauenrechte, Beavis and Butthead, Muttertag, den FC Nankatsu und Walt Disneys Eiskönigin zu finden – zumindest, wenn man zu den Fans von Alejandro Gomez gehört. Der Angreifer von Atalanta Bergamo stellte vor wenigen Tagen ein Best-of seiner Kapitänsbinden online.

Halloween, Weihnachten, die geschaffte Europa-League-Quali, der Tod von Fiorentinas Spielführer Davide Astori – Motive und Ideen, die ihm eine Huldigung wert waren, hatte »El Papu« vermutlich mehr als Spieltage zur Verfügung. Der Anlass, um seine gesammelten Werke zur Schau zu stellen, war für Gomez deshalb alles andere als ein schöner.

Ernüchterndes Fazit

Den Beschluss des Liga-Verbands Lega Serie A, nach dem die Spielführer der höchsten italienischen Spielklasse fortan ein einheitliches Design zu tragen haben, konnte der vierfache Nationalspieler Argentiniens nur mit viel Bitterkeit zur Kenntnis nehmen. »Vor zwei Jahren, als sich noch niemand um die Kapitänsbinden scherte, hatte ich diese wunderschöne Idee, Motive auf die Binde zu packen, die mich als Kapitän repräsentieren. In jedem Spiel ein anderes, ohne jemals Respekt vermissen zu lassen«, schrieb »Papu« drauf los – und kam zum ernüchternden Fazit: »Doch im Fußball von heute zählen die Spieler leider immer weniger.«


Foto: Screenshot Instagram/papugomez_official

Bei Bergamos Saisonauftakt am Montagabend war Gomez derweil keinerlei Verbitterung anzumerken. Das mag an seinem Doppelpack zum 4:0-Heimerfolg gegen Frosinone gelegen haben – vielleicht aber auch an der personalisierten Kapitänsbinde, die am linken Arm des 30-Jährigen prangte. So pfiffig-kreativ wie bisher bei der Wahl seiner Motive gab sich der 1,65 Meter große Stürmer hinterher bei der Erklärung seines Regelbruchs.

»Meine einzige Braut«

Ein Notfall, wie er beteuerte: »Die Binde des Liga-Verbands war mir zu groß. Ich hoffe, sie schicken mir noch eine in der richtigen Größe zu.« Mit seiner augenscheinlichen Protestaktion ist Papu Gomez nicht alleine – auch wenn noch zu klären ist, ob Daniele de Rossis Binde nicht zustellbar war oder irgendwo originalverpackt im Kabinentrakt des Stadio Olimpico liegt.



Jedenfalls: Auch der 35 Jahre alte Kapitän der Roma zog beim Saisonstart gegen den FC Turin (1:0) am Sonntag mit einer Eigenkreation aufs Feld. Es ist ein dünner, blassroter, heroisch anmutender Stofffetzen mit der Inschrift »Sei tu l’unica mia sposa, sei tu l’unico mio amor« – eine Liebeserklärung an seinen Klub: »Meine einzige Braut bist Du, meine einzige Liebe bist Du.«