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1. Runde DFB-Pokal im Liveticker

Das Bayern-Gähn

Erste Runde DFB-Pokal und schon schlug es zu, das Bayern-Gähn. Wie der Rekordmeister sich zum 1:0 bei Drochtersen/Assel langweilte, wie sich Kaiserslautern im ersten Satz schlug und warum Werder Bremen auf Humor machte, weiß: der Liveticker. 

15.15 Uhr

Moin. Eine Woche noch bis zum Start der Bundesliga. Zeit, wieder Fahrt aufzunehmen, Lunte zu riechen am bittersüßen Geschmack der Dynamit-Stange Fußball. Und womit ginge das besser als mit der ersten Runde im DFB-Pokal? Der Vermessung der Welt. Zu der wir für einen Moment Ortschaften die Daumen drücken, die wir sonst lieber schnell durchfahren. Dassendorf, Linx oder Kaiserslautern. Immer in der Hoffnung, sie würden den Großen ein Bein stellen. Vielleicht sogar den Bayern. Und also auf, wie jedes Jahr im August, wenn man noch zu träumen wagt. Let's Drochtersen.

15.18 Uhr

Schnell mal eben alle Spiele, die jetzt vor unser durch Untätigkeit zum Schwabbel gewordenen Brust liegen: SV Linx - 1. FC Nürnberg, SV Rödinghausen - Dynamo Dresden, Elversvberg - VfL Wolfsburg, Dassendorf - MSV Duisburg, Wormatia Worms - Werder Bremen, Drochtersen/Assel - Bayern München, Kaiserslautern - Hoffenheim, 1. CfR Pforzheim - Bayer Leverkusen, Ulm - Frankfurt. In diesem Sinne: Assel!!!

15.21 Uhr

Hier die Aufstellung von Drochtersen/Assel: P. Siefkes - Klee , Rogowski , Behrmann - F. Nagel , Elfers - Zöpfgen , Mau - Andrijanic - A. Neumann , J. Gooßen

15.22 Uhr

El-Saleh, Stöhr, Fiks, Ioannou, Winkelmann, Jung also nur auf der Bank. Nimmt man die Bayern etwas nicht ernst?

15.25 Uhr

Gerade die Ansprache vom Trainer des SV Linx, die heute gegen den 1. FC Nürnberg antreten: »Mir sagen die Leute seit Tagen, wir sollen das Spiel genießen. Ich will das Spiel nicht genießen. Ich will das Spiel gewinnen!« Was für ein Typ! Was für ein Vorbild. Das werde ich ab sofort adaptieren. Nein Schatz, ich will das Abendessen mit Deinen Eltern nicht genießen. Ich will es gewinnen!

15.28 Uhr

Neun Spiele, neun Mal wurde gerade die offzielle DFB-Pokal-Hymne abgespielt. Und kein einziger Spieler hat mitgesungen! Der Fall Özil zieht weiter Kreise.

15.30 Uhr

Linx gegen Nürnberg läuft bereits. Und was soll man sagen: Linx von links nach rechts. Geschichten, die nur der Fußball schreibt.

1.

Bayern auch unterwegs. In einem Trikot, besser, in einer Trikotfarbe, die in etwa so aussieht, wie man sich den Auswurf einer Schüttelmade vorstellt. Die langweiligste Kotze der Welt.

4.

Ulm setzt Titelverteidiger Eintracht Frankfurt unter Druck. Kovac raus. Meine Meinung.

6.

Tor für Hoffenheim in Kaiserslautern. Nico Schulz tut weiterhin so, als sei er wirklich eine Alternative für die Nationalmannschaft, kurvt einmal über den halben Platz, zieht von links nach innen, zündet mit rechts und nötigt Lauterns Torhüter zu einem Abpraller, den Joelinton aus gut 16 Metern verwandelt. Nicht auszuschließen, dass der Matchpan von Michael Frontzeck damit fürs Erste aufgeht.

9.

Und auch Werder führt. In Worms. Tja. Aber das ist noch nicht der ganze Gag. Der ganze Gag geht so: Kopfballtor Osako. Ha.

12.

Dresden führt in Rödinghausen und Nico Schulz erhöht auf 2:0 für Hoffenheim. Zusammenhang? Jogi Löw hilft beides nicht.

15.

Nürnberg führt in Linx. Freistoß Leibold, schmirgelt ihn an den Pfosten und von dort in die Füße von Mikael Ishak. Linx-Trainer Sascha Reiß kann zufrieden sein. Wollte das Spiel nicht genießen. Wird das Spiel nicht genießen. Toll.

18.

Elfmeter für Linx! Die Nummer 11 des heimischen SV bringt sich irgendwie ins Straucheln, fällt wie ein ganz Großer, also so richtig beknackt, und bekommt den Strafstoß. Ein Mann namens Rubio kennt keine Skrupel und verwandelt sicher rechts unten. Stand jetzt kann Linx-Trainer Reiss das Spiel weder genießen noch gewinnen. Bitter.

19.

Ausgleich in Lotte. Dort spielt Rödinghausen gegen Dresden. Und Abseits offenbar keine Rolle.

22.

Bei Werder haben sie den Humor entdeckt in der Sommerpause! Nach dem Kopfballtor von Osako jetzt ein Traumtörchen durch Florian Kainz. Wenn Max Kruse jetzt noch per Grätsche am eigenen Strafraum klärt, liege ich unter dem Tisch.

23.

3:0 für Hoffenheim. Joelinton nach feinem Steckpass von Vincenzo Grifo. Die Anhänger von Kaiserslautern pfeifen Fritz Walter aus dem Grab, einzig Michael Frontzeck bleibt cool. »Spielt dieser Grifo nicht für Gladbach?! Was macht der hier? Das Ding holen wir uns am grünen Tisch!«

25.

Drochtersen/Assel gegen die Bayern wie Heidi Klum mit diesem Typen von Tokio Hotel: Hält die Null.

26.

Dresden geht per Aufsetzer in Führung gegen Rödinghausen. Leverkusen durch Alario per Elfmeter in Pforzheim. Und Duisburg führt mit 1:0 in Dassendorf. Nach einem Patzer von einem Mann namens Joe Warmbier. Service-Tick für alle Lokalblätter, die Überschrift des Tages: »Kalte Dusche durch Warmbier«. Gern geschehen.

29.

Der nächste Werder-Gag beim 3:0 für Bremen: »Bargfrede mit Gefühl!« Kennste, kennste, kennste?!

32.

Aha! Kaiserslautern mit dem 1:3. Spalvis mit dem Kopfball nach Freistoß. Michael Frontzeck damit seit elf Minuten ungeschlagen!

35.

Nagel mit der Riesen-Chance auf das 1:0 für Drochtersen/Assel. Nagelt ihn gegen das Schienbein von Manuel Neuer. Klingt biblisch. Und ist es auch, denn einfach nur: Quatsch.

38.

Wie anstrengend es sein muss, Jörg Dahlmann zu sein. Der kommentiert das Spiel Ulm-Frankfurt und dröhnt mit jeder Szene eine Sensation herbei. Will es unbedingt, will unbedingt den emotionalen Überschlag seiner selbst, weil er nur so seinen eigenen Beruf zu rechtfertigen scheint. Dabei ist dieses Spiel vor allem eines - ein 0:0. Oder wie wir Mitleids-Touristen sagen: ein Dahlmann.

40.

Max Kruse mit dem 4:0 für Werder. Elfmeter nach Foul an Klaassen. Keine Pointe. Bitter.

43.

Bayern weiter 0:0 und weiter unterirdisch. Derweil Worms mit dem 1:4 gegen Werder. Während Eintracht Frankfurt ein Tor durch Jovic wegen Abseits fälschlicherweise aberkannt wird. Und Jörg Dahlmann? Schreit still nach Liebe.

45.

2:2 für Rödinghausen gegen Dresden. Nach Einwurf. Kann man nicht verteidigen. Wenn man es nicht verteidigt.

45.

5:1 für Werder in Worms. Eggestein. Was die Frage aufwirft: Warum denn nicht?

16.23 Uhr

Halbzeit. Bayern noch ohne Gegentor, Bremen hingegen selbst gegen Worms hinten nicht sicher. Wolfsburg dieses Jahr noch ungeschlagen während Nico Schulz seit über 30 Minuten keinen Treffer mehr erzielt oder vorbereitet hat.

46.

Sorry. Kurz eingeschlafen. Sky hat die zweite Halbzeit mit dem Bayern-Spiel aufgemacht.

49.

Freunde. Es ist passiert - Ulm führt gegen Frankfurt. Steffen Kienle nach Freistoß, Pfosten und Kuddelmuddel. Mitten hinein ins Ulmer Glück. Mitten hinein ins Stimmengewitter von Jörg Dahlmann, der endlich von seinem Lebenselexier naschen darf, seiner einzigen Währung - der Sensation.

51.

4:1 für Hoffenheim, Kaderabek mit einem trockenen Rechtsschuss. Und an der Seitenlinie ein konsternierter Michael Frontzeck, der seine Jungs zu fragen scheint: »Habe ich euch nicht genau davor gewarnt?!« Und sie schauen zurück, so 1:4 wie möglich, und sie scheinen zu sagen: »Äh, nein, Trainer.«

53.

Oha. 5:1 für Hoffenheim. Nico Schulz befreit sich aus seiner über 30 Minuten währenden Flaute und bereitet das dritte Tor von Joelinton vor. Der einfach nur rechts-links wackelt, ehe er abzieht. Fun-Fact: Genauso tanze ich.

56.

Thiago an die Latte. Klingt wie eine ganz normale Dienstanweisung in einem Café in Berlin-Mitte, passierte aber genau so und gerade in der Partie Drochtersen/Assel - Bayern München. Moderne Zeiten.

59.

Ah. Jetzt ist klar, warum es bei den Bayern nicht läuft. Aber toll, dass der DFB-Präsident mal wieder kein Blatt vor den Mund nimmt!

60.

Haller mal wieder beruhigen. Kein Tor für Frankfurt. Da kann Jörg Dahlmann noch sehr schreien. Denn Sebastian Haller stand im Abseits. Mindestens so sehr wie Jörg Dahlmann. Also ungefähr 20 Jahre.

63.

Joshua Brenet mit dem Tor für Hoffenheim. Damit gewinnt das Team von Julian Nagelsmann den ersten Satz mit 6:1.

65.

Weiter 0:0 bei Drochtersen/Assel gegen Bayern. Und den Münchnern bei diesem Spiel zuzuschauen tut so weh. Alles wirkt beschwerlich, langsam, angeödet von der eigenen Aufgabe. Als würde man versuchen mit einem Nagel ein kopfgroßes Loch zu hämmern.

68.

Linx inzwischen übrigens von rechts nach links und weiter mit der Chance, das Spiel gegen Nürnberg nicht nur zu genießen, sondern tatsächlich zu gewinnen. Rubio nach Freistoß mit dem Kopfball und also der Chance auf das 2:1, doch der Rubikon zum Glück ist damit noch lange nicht überschritten. Da das gesagt ist, möchte ich mich für das Gesagte entschuldigen.

71.

Jörg Dahlmann schreit. »Man soll mit dem Begriff Sensation spärlich umgehen«, sagt er danach. Was fassungslos macht, weil niemand inflationärer mit dem Begriff Sensation umgeht als Jörg Dahlmann. Der schreit. Als stünde Jesus vor ihm und zeige ihm das Licht. Es ist schrecklich. Es verleidet einem alles. Selbst dieses 2:0 für Ulm gegen Frankfurt.

74.

Tor in Worms. Was die Frage aufwirft: Warum denn nicht?! Eggestein zum 6:1. Nach Sprint von Kruse. Ha. Was haben wir gelacht.

77.

Tor für die Bayern! Und dann doch nicht. Müller mit dem Schuss, aber Ribery steht mitten im Lauf der Dinge, steht da ganz ungünstig und mithin auch unerlaubt. Weiter 0:0. Der Sieg des kleinen Mannes.

78.

Wolfsburg führt völlig unverdient mit 1:0 in Elversberg. Ginzcek mit dem Treffer. Modern football is rubbish. So wie immer.

80.

Und jetzt doch - Tor für die Bayern. Lewandowski steht nach einem Distanzschuss im Weg und aber nicht im Abseits, hält das Füßchen entscheidend hin. Toll. Oder wie heißt das, wenn man innerlich tot ist?

81.

Rödinghausen gegen Dresden beim 2:2 jetzt wie ich früher in der Disco: steht tief hinten drin und hoffe auf das Ende.

84.

Tor für Nürnberg! Die gegen Linx nun also mit 2:1 führen. Langes Holz, Kopfball-Ablage und dann ist da die Führung für den Bundesligisten. Und erneut ist es Ishak. Würde mich nicht wundern, wenn das in Linx bald zum Synonym für alles Schlechte wird. »Und, wie fühlst Du Dich heute?« - »Ach, Ishak. Richtig Ishak.«

87.

Wenn Eintracht Frankfurt im Supercup gegen die Bayern mit 0:5 verliert, gegen Ulm dann mit 0:2 und wenn Drochtersten/Assel zugleich mit 0:1 gegen die Bayern verliert - was sagt das über die Vorbereitung von Borussia Mönchengladbach aus?

89.

Aha! Frankfurt verkürzt gegen Ulm, nur noch 1:2. Ich möchte lösen: Kovac raus!

90.

Kein Tor für Dresden gegen Rödinghausen. Was seltsam anmutet, weil der Ball im Netz ist und Nichts, aber wirklich Nichts darauf hinweist, dass dieses Tor nicht zählen sollte. Aber der Schiedsrichter der Partie scheint ein modernen Mann zu sein und denkt sich: Verlängerung, warum denn nicht?!

90. +3

Kein Bild mehr aus Ulm. Was Jörg Dahlmann zu einem »Hoppla« bewegt. Mithin der beste und treffendste Kommentar Jörg Dahlmanns in den letzten 15-20 Jahren.

17.25 Uhr

Und dann ist es vorbei. Eintracht Frankfurt verliert in Ulm und nach 22 Jahren scheidet erstmals wieder ein Titelverteidiger in der ersten Runde des DFB-Pokals aus. Ein echter Dahlmann, das. Den hätte es fast auch bei Drochtersen/Assel gegen Bayern München gegeben. Doch der Rekordmeister duselt sich zu einem 1:0. Womit festzuhalten ist: bleibt alles anders. Morgen um 15.30 Uhr geht es weiter. Bis dahin!