Wie Royston Drenthe seine Karriere ruinierte

Dosenbier im Ferrari

Er war eines der begehrtesten Talente Europas, spielte mit Kaká, Ronaldo und Robben - doch dann begann der Abstieg. Jetzt versucht er den Neuanfang in der zweiten niederländischen Liga. Wie konnte es soweit kommen?

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Es ist sein erstes Spiel für Real Madrid. Nur wenige Tage zuvor war der 20-Jährige breit grinsend, die Hände tief in den Hosentaschen vergraben, von Präsident Román Calderón vorgestellt worden, jetzt nimmt er im Mittelfeld einen Ball von Ruud Van Nistelrooy an. Real liegt mit 0:1 gegen den FC Sevilla zurück. Rechts läuft sich Raúl frei, vor ihm startete Van Nistelrooy in die Spitze. Doch Royston Drenthe schaut nur auf den Ball. Er lässt einen Spieler ins Leere Grätschen, legt den Ball an ihm vorbei und zieht aus 30 Metern einfach ab. Der Ball kracht gegen die Latte und schlägt hinter der Linie ein.

Jeder, der an diesem Abend im Stadion sitzt, denkt einen kommenden Superstar zu sehen. Er pustet die Backen auf, rennt zur Trainerbank und umarmt Bernd Schuster. Dieser Moment sollte der Höhepunkt in Drenthes Karriere bleiben, eine Karriere, die ganz oben begann und den jungen Mann schließlich immer tiefer herabzog. 2016 beendete Drenthe voller Enttäuschung, Wut und Selbstzweifel mit 28 seine Karriere. Jetzt versucht er mit 31 das Comeback in der zweiten niederländischen Liga.

Schuster sagte, Drenthe sei wie ein Weihnachtsgeschenk

Als Royston Drenthe in Rotterdam aufwächst, erobert sein Onkel den europäischen Fußball. Ein Mann mit langen Haaren und Sportbrille, schnell, trickreich, kompromisslos. Edgar Davids, genannt der Pitbull. Drenthe hat die gleichen Anlagen. Mit 18 debütiert er bei Feyenoord Rotterdam, mit 19 ist er Stammspieler. 2007 spielt er mit den Niederlanden die U21-EM im eigenen Land. Drenthe sticht heraus, wird zum besten Spieler des Turniers gewählt. Ein paar Tage später ruft Real Madrid an. Feyenoord will ihn halten, Drenthe rebelliert, wechselte den Berater, um den Wechsel zu Real durchzudrücken. Schließlich einigen sich die Vereine auf 14 Millionen Euro Ablöse. Die Begeisterung in Madrid ist groß und wird durch das Spiel gegen Sevilla noch größer. Schuster sagt, die Verpflichtung von ihm fühle sich wie ein Weihnachtsgeschenk an.

Sieben Tage später schreibt Drenthe die ersten negativen Schlagzeilen. An einem Sonntag rammt er um 4 Uhr 30 in der Früh ein Polizeiauto. Um 10 Uhr hat er Training. »In Holland lebte ich in einem kleinen Haus mit meiner Mutter, in Madrid zog ich eines, das Millionen wert war. Die Umstellung war schwer«, sagt Drenthe in einem Interview mit der »Marca«. In Madrid vergibt man ihm diesen ersten Fehler schnell. Auch Coach Bernd Schuster ist nicht nachtragend und Drenthe spielt im ersten Ligaspiel über 90 Minuten.