Island

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Kroatien

Island - Kroatien im Liveticker

Don't believe the Hype

Island? Is nicht. Kroatien gewinnt 2:1 gegen Island und kegelt die Isländer aus dem Turnier. Weinte ein leises »Huh!« in seinen Wikingerhelm: der Ticker.

19:54 Uhr

Freunde, herzlich willkommen zum Ticker, live von ARD One, einem Sender, der mir bislang gänzlich unbekannt war, der aber anscheinend die Rechte an Game ooft Thrones erworben hat. Auch gut, ticker ich eben d-, achso,moment, war das WM-Intro.

19:56 Uhr

Gerade liefen auf ARD One noch Pferderennen. Pferdewetten, ey. Geiler Sender, hat was staubig Bundesrepublikanisches. Hätte mich nicht gewundert, wenn Wilhelm Wieben im Anschluss die Tagesschau moderiert hätte: »Bonn. Außenminister Genscher traf am morgen seinen zairischen Amtskollegen...«

19:59 Uhr

Muss man sagen: Island hat eine wunderschöne Hymne. Leicht-lufitge Streicherklänge, ein friedlicher Chor darüber. Weiß nicht, worum es im Text geht, aber wahrscheinlich um Zuckerwatte und perfekt temperierten Tee mit Vanille-Tee.

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Endlich haben die White Stripes die Instrumente weggepackt. Anstoß.

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Kroatien gegen Island also. Oder wie ich es nenne: Ante Rebic gegen Istmirscheißegal.

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WAAAAAAAAS? ANTE REBIC SPIELT GAR NICHT? Nix. Das ist nicht mehr mein Sport. Leute, kommt, ich schalte um und ticker euch »Achung, Abzocke« auf Kabel1.

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Ah, mich erreicht gerade die Nachricht, dass Ante Rebic nicht von Beginn an spielt, weil er heute Nacht noch einen kräfteraubenden Sprint durch Mats Hummels Albtraum vor sich hat. Das erklärt natürlich einiges.

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Jungejunge, Luka Modric lukamodrict seinem Gegner mit einem leichten Wackler den Ball durch die Beine. Der Mann ist so elegant, dass ich mir vielleicht kurz noch einen Smoking anziehen sollte, um ihn standesgemäß tickern zu können.

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Die Isländer mit ihrem »HUH!« Sollte sich das übrigens jemals in Bundesliga-Stadien etablieren, könnte die gegnerische Kurve das, finde ich, ganz elegant mit einem »RENSÖHNE« kontern.

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Uh, ein Isländer stark blutend am Boden. Sehr stark blutend. So stark, dass seine Vorfahren ihn jetzt wahrscheinlich voller Stolz in Valhalla empfangen würden.

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Oha, wie ich erfahren habe, ist gerade eine Sondereinheit der russischen Polizei im Parallelspiel auf den Platz gestürmt, hat diesen iranischen Messi-Doppelgänger festgenommen und den echten Messi auf den Platz geschickt, der dann mal direkt seine Halbgöttlichkeit unter Beweis gestellt hat, per 1:0. Und ich muss mir hier blutende Isländer ansehen.

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Auf der anderen Seite: Schon auch interessant zu sehen, wie so ein Isländer auf einen Ellbogencheck mit stark blutender Nase reagiert. Sieht erstmal aus, als würde er eine Ein-Liter-Tüte Traubensaft ausschnauben, dann schüttelt er sich kurz und steht auf, dann brät er ein Wildschwein über einem offenen Feuer und macht in einer Runde haariger Männer und Frauen derbe Witze, dann zieht er in den Krieg und überfällt ein paar nordfriesische Dörfer, dann wird er vom Schiri vom Feld geschickt, schnaubt noch ein paar mal, stopft sich einen Pfropfen von der Größe eines Backsteins in die Nase und dann spielt er einfach weiter, als wäre nichts gewesen.

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Uuuuuh, dann die Riesen-Chance für Island, nach einem langen Einwurf streicht der Ball knapp vorbei. Größere Chancen haben die Isländer nur auf dem Arbeitsmarkt für Fischerei.

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Starkes Spiel jetzt. Also für Leute, die auf eingeschlafene Füße, spannende Rauhfasertapetenmuster oder das Auswendiglernen von Telefonbüchern stehen.

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Und die nächste Chance für Island, aber Alfred Finnbogasson schießt ans Außennetz. Auf der anderen Seite versucht es dann Luka Modric mit einem Weitschuss. Leute, hier ist's plötzlich wie bei Tinder: It's a match. Nur ohne peinliches Schweigen bei einem billigen Rotwein, Pseudo-Smalltalk in einem unaufgeräumten WG-Zimmer oder schlechtem Sex. Noch.

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Ecke Island, aber abgeblockt. Dann eine zweite Chance nach einem Ferschuss. Jungejunge. Durch die Führung der Argentinier würde ein Tor der Isländer deren Weiterkommen bedeuten. Als einzige Mannschaft der Gruppe, die kein Fußball spielt. Das wäre schon ein Ding. Als würde Pietro Lombardi beim Promi-Jeopardy souverän in die Zweite Runde einziehen. Gegen Dennis Scheck und Giovanni di Lorenzo.

20:52 Uhr

Halbzeit. Zeit für eine Doku über Rugby. Dachte niemand jemals, außer irgendeinem Hajo in der One-Programmplanung.

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Weiter geht's. Hab gerade in der Pause mal auf ARD geschaltet und mir das Messi-Tor angesehen, und Leute, wenn ihr nicht einen ernsthaften Ballan- und Mitnahme-Fetisch entwickeln wollt, der euch eure glückliche Beziehung kosten wird, weil ihr fortan nur noch mit gebrochenem Herzen in spelunkigen Kneipen hockt, bis spät morgens, weil ihr nicht nach Hause wollt, sondern lieber Schnaps trinkt und an diese eine Ballan- und Mitnahme denkt, die ihr einfach nicht vergessen könnt, dann guckt euch das Tor lieber nicht an.

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Und Toooooooor für Kroatien. Milan Badelj, der alte Ackergaul, kommt rangerauscht und haut das Ding einfach rein. Und irgendwo auf der Tribüne macht sich ein engagierter und top-ausgebildeter HSV-Scout ein paar wohlwollende Notizen.

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Dann auf der anderen Seite Ingarsson mit der Chance. Mehr Gelegenheiten jetzt als einst für Winona Ryder im Klamottengeschäft.

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Alter, Emil Alfredsson hat nicht nur einen Namen wie ein Kettensägen-Modell aus den Achtzigern, er spielt auch genaus Fußball. Tritt den bedauernswerten Pjaca aus den Schuhen und sieht Gelb. Mosert noch ein wenig und geht dann mit breiter Brust weg, trägt die Karte wie ein Gütesiegel. Testnote: Autsch.

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Hier nochmal Alfredssons Grätsche an Pjacas Sprunggelenk in der Wiederholung.

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Nächste Gelbe Island, diesmal Finnbogasson. Die Isländer jetzt mit mehr Gelben als Alexander Gaulands Gebiss.

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Bjarnason mit der kläglich vergebenen Chance. Tja, sieht irgendwie nicht so aus, als würden die Isländer hier nochmal zulegen können. War's das mit dem Hype? Verschwindet all die Sympathie und die »HUH«s und die witzigen Wickingerhelme jetzt einfach auf dem Friedhof der plötzlich uncool gewordenen Dinge, irgendwo zwischen Inline Skates, Buffalo-Plateauschuhen, Tamagochis und den American Gladiators?

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Tja und dann: Elfmeter für Island, und Gylfi Sigurdsson haut den Ball unters Tordach. Vorausgegangen war dem ganzen ein Handspiel von Dejan Lovren, der dumm und unnötig den Arm gehoben hat. Aber das wird dem Mann als Rechtsrock-Fan ja nicht fremd sein.

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Also muss man sagen: Diese Talente wie Sigurdsson aus der Hoffenheimer Region sind schon wirklich etwas Besonderes.

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Wow, ordentlich Spannung jetzt in der Bude. Schießt Island ein Tor, sind sie weiter. Schießt Argentinien ein Tor, sind sie weiter. Blebt alles so, ist Nigeria weiter. So viel Spannung hab ich zuletzt erlebt, als sich ein nicht näher genannter Kollege schmerzhaft in der Ritze des Redaktions-Sofas verkeilte und wir Geld drauf setzten, wie lange er braucht, um sich zu befreien. Das waren fantastische zwei Stunden.

89.

Argentinien führt. Jesses, ist das spannend. Gibt es einen Isländischen Günther Koch, der sich mal eben vom Abgrund melden kann? Existiert ein nigerianischer Jan-Aage Fjörtoft, der vor dem argentinischen Keeper einen Übersteiger macht?

90.

Tja, und dann kommt Perisic und haut den Ball einfach rein, direkt hindurch ins Netz und weiter in die Träume aller Isländer, die unter der Wucht des Schusses kollabieren. Was heißt eigentlich »Stecker ziehen« auf Isländisch?

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Und das war's. Island hat sich teuer verkauft, aber am Ende hat es nicht sollen sein. K.o-Phase? Is nich. Hahaha. Haha. Ha. Entschuldigung. In diesem Sinne: Schönen Abend noch.