Dänemark

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Frankreich

Im Liveticker: Dänemark gegen Frankreich

Frankreich schafft sich ab

Frankreich lässt im letzten Gruppenspiel nicht nur seine Stars, sondern auch seine Spielfreude auf der Bank. Was dann zu sehen war, macht betroffener als ein Blick in Fast-Food-Küchen. Ist trotzdem dicker geworden: der Ticker.

15:47 Uhr

Guten Tag in die Runde. Jetzt gleich also letzter Spieltag der Gruppe C, Frankreich gegen Dänemark. Es geht um den Gruppensieg für die Franzosen und um den Achtelfinaleinzug für die Dänen. Dänen wir das ja gönnen würden. Hüstel. Steigen gleich für euch 90 Minuten hinab in die Wortspielhölle. Tobi »Dänen lügen nicht« Ahrens und Max »Dänen zeigen wir`s« Dinkelaker.

15:51 Uhr

Die Aufstellung lässt ein paar Fragen offen. Hat Deschamps keinen Bock auf Gruppensieg oder was? Ist er irre geworden? Total gaga? Wieso sonst lässt man freiwillig eine Granate wie Mbappé auf der Bank??? Andererseits sehen wir so endlich mal Lemar spielen. In den USA ist der ja angeblich seit Jahren `ne große Nummer. 

15:55 Uhr

Außerdem gibt Steve Mandanda mit fast 34 Jahren sein WM-Debüt. Ärgerlich: Eigentlich sollte er heute Nachmittag auf seine Enkel aufpassen. 

15:58 Uhr

Aber widmen wir uns in den letzten Sekunden vor Anpfiff den Dänen. Die haben mit Eriksen einen der aufregensten Spieler des Turniers dabei, mit Kasper Schmeichel den zweitbesten Schmeichel der dänischen Geschichte im Tor und mit Cornelius den wohl am meisten nach Streber klingenden Stürmer aller Zeiten. Für den natürlich super-bitter, dass das Dänemark-Trikot keinen Stellkragen hat. Und man laut FIFA-Reguliarien nicht mit Sylt-Wichser-Pullover spielen darf. 

1.

Anstoß Frankreich. Kann Lasse Reinström natürlich nicht gefallen.

2.

Ich verstehe die Aufregung nicht. Schließlich kann man auch mit einer B-Elf erfolgreichen Fußball spielen. Deutschland ist 2002 sogar ins Finale gekommen.

3.

In der Abwehr der Franzosen, und dann sind wir auch durch mit dem Aufstellungs-Geplänkel, heute erstmals Sidibé. Für Sidi-a also endlich die wohlverdiente Pause.

4.

Sidibé gegen Braithwaite im Strafraum. Bartels sagt: »Das sah aus wie Elfmeter«. Wir finden: Bartels klingt wie 1,88 Meter. 

6.

Übrigens: Vor 110 Jahren gewann Dänemark gegen Frankreich mit, Achtung!, 17:1. Kein Scheiß. 17 Tore! Bei den Olympischen Sommerspielen, es war das zweite Länderspiel der Dänen. Was wird diese Nation für Hoffnungen gehabt haben, was wurde sie enttäuscht. Diese historische Fußnote wurde ihn von Tobias »trägt Tweed und sitzt im Ohrensessel« Ahrens präsentiert. Gern geschehen.

8.

Sehr schade: Youssuf Poulsen nach zwei Spielen, in denen er zwei Elfmeter verschuldete, zweimal Gelb sah und zweimal der Spieler mit dem schönsten Zopf auf dem Platz war, fehlt heute gesperrt und ist nicht dabei. Wäre die FIFA konsequent, hätte sie ihn allerdings gleich für zwei Spiele gesperrt. Ist halt ein Sauhaufen, dieser Verband. 

10.

Mein vorzeitiges Highlight: das Auswärtstrikot der Franzosen. So wunderschön, ich würde es sogar in der Freizeit tragen. Als hätte sich ein Regenbogen vor Freude darauf übergeben und eine süße Hamsterherde mit ihren kleinen Pitschepatsche-Pfötchen wäre nochmal drüber spaziert.

13.

Wow, ist dieser Braithwaite fix unterwegs. Derart schnelle Bewegungen kennt man als 11FREUNDE-Redakteur nur vom eigenen Arm, der den eigenen Bauch streichelt, weil man sich beim Italiener um die Ecke wieder dermaßen an Sahne-Pasta überfressen hat. Traurig. Sehr traurig. 

16.

Knifflige Szene im dänischen Strafraum, aber zur Abwechslung mal kein Elfer. Danach ein Abschluss, den Schmeichel energischer aus der Ecke kratzt als wir die letzten Reste Sahne-Pasta vom Teller. Lecker. 

18.

Tor in Sotschi! TOR IN SOTSCHI! Schreit irgendein Parallel-Kommentator und uns zieht sich reflexartig die Gänsepelle über den Körper. Nochmal Kroos? Noch etwas genauer in den Winkel? Sind wir vorzeitig Weltmeister? Pustekuchen. Peru führt 1:0. Zuletzt so enttäuscht war ich, als die Sahne-Pasta alle war und ich mich in der Öffentlichkeit nicht getraut habe, den Teller, wie es zu Hause im Übrigen Usus ist, abzulecken. Ich Schisser.

20.

Erst jetzt fällt mir auf, wie schön das Lushniki-Stadion gebaut ist. Die Fans sitzen, finde ich, so nah dran wie in nur wenigen anderen Stadien dieser Welt und außerhalb Englands. Nur ein kleines Gitter verhindert, dass die Zuschauer in der ersten Reihe ihre Füße über dem Spielfeld baumeln lassen, während Otis singt: »Sittin' in the mornin' sun, I'll be sittin' when the evenin' comes, Watchin' the balls roll in, Then I watch 'em roll again«

22.

Hervorragender 80er-Jahre-Schmuddelfilm-Titel, auf den Tom Bartels, dieser geniale Freak, einfach so und nebenbei kommt: »Laola in Luschniki«

25.

Nach über zwanzig Minuten muss festgehalten werden, dass die Franzosen, die bisher wirklich nicht überzeugt haben bei dieser WM, auch heute noch nicht überzeugen. Aber trotzdem durch ihre Gruppe spazieren, sich keinerlei Stress machen. Während die Deutschen ab der ersten Minuten zitterten, bebten, ums Achtelfinale bangten. Und in mir wächst die Erkenntnis, dass Fußballstile eben doch von einer Nation und ihrem Naturell geprägt werden. Wir hetzen uns ab, grätschen Gegner ab und die Franzosen sitzen daneben, trinken Rosé und palieren: »Voulez vous couchez avec moi? Mais oui, bien sûr. Alors.. un but! Très bon.«

24.

Frankreich reklamiert Handspiel, weil Jörgensen aus einer Entfernung angeschossen wird, die im Pornogewerbe für die Rolle des männlichen Hauptdarstellers nicht mal knapp nicht reichen würde. Aka: Weiter gehts. 

26.

Aber muss man auch mal sagen: Schiedsrichter Ricci moderiert hier alles an strittigen Szenen souverän weg. Wann bekommt er wieder seine eigene Show? 

29.

Immer wenn Kollege Ahrens versucht, einen Satz auf Französisch zu schreiben, fällt einer Pariserin vor Schreck ein Büschel Achselhaare aus. 

31.

Wow, Dänemark schaltet hier schneller um, als ein Radprofi vor dem Alpes d'Huez, bringt aber nichts ein. Weil Mandanda zwar spät rauskommt, dann aber in einer derart schönen Weise dazwischen geht ohne Foul zu spielen, dass ich diese Vorgehensweise sofort als Pflichtfach in deutschen Schulen einfordere. »Und wie war's heute?« »Ach, hatten Mandanda« »Schon wieder Elfmeter bekommen? Das wird schon noch...«

33.

Dinkelaker gegen den modernen Fußball, Beweisstück 1352.
Von dem Transfer von Lemar zu Atletico Madrid (immerhin 60 Millionen Euro schwer) habe ich nicht mal was mitbekommen.

37.

Wäre dieses Spiel ein Asterix-Heft, müsste man Goscinny und Uderzo jetzt verprügeln. Mit einem Fisch von Verleihnix.

38.

»Ein hartes Spiel für Cornelius«, sagt Bartels. Wir finden: Ist halt kein Golf....

40.

Was sagt die Hausfrau, wenn der Gatte wieder das Weichweizenprodukt vergessen hat? »Griez, mann!«

41.

Ein Glück, dass Simon Kjaer seine Phase als mittelmäßiger Bundesligaspieler längst hinter sich hat. Sonst müsste ihn Dortmund diesen Sommer für 30 Millionen kaufen...

43.

Die Schiedsrichterassistenten bei dieser WM wie ein alkoholisierter Langschläfer: die Fahne kommt immer erst sehr spät hoch.

45.

Kurz vor der Pause wird es etwas rasanter. Zunächst knallt Dembélé den Ball aus knapp 67 Metern in den Oberrang, dann wird auf der anderen Seite ein Abschluss von Eriksen geblockt. Die Ecke mündet wiederum in einen Konter, den Griezmann, einem Busfahrer gar nicht unähnlich, ganz alleine fährt. Doch statt in die Box zu kommen, wird er hinterhältig gefoult. Doch statt den Freistoß noch ausführen zu lassen, pfeift Schiri Ricci einfach ab. Dessen Sternzeichen ganz offensichtlich: Kein Bock. 

45.+1

Schiedsrichter Ricci pfeift den Freistoß gar nicht mehr an, sondern direkt zur Halbzeitpause. Das Publikum ist empört, buht und pfeift. Seltsam, woher hat der DFB-Fanclub powered by Coca-Cola die ganzen Karten?

16:54 Uhr

Opdi unterstellt beiden Teams eine Art Nicht-Angriffs-Pakt. Wir unterstellen Opdi, dass er die Jacke im Studio nur trägt, weil sein T-Shirt keine Ärmel hat und er sich diese Woche im Suff ein gigantisches Selbstporträt auf die Schulter hat stechen lassen. Vielleicht haben wir beide Recht.

16:57 Uhr

Ahrens in schönster Redaktions-Streber-Manier: »Jetzt fehlt nur noch ein Tor von Costa-Rica, dann haben alle Teams bei diesem Turnier getroffen.« Und zack, schon steckt er kopfüber in der Toilette. Und ich bekomme später Hausarrest, weil er bei seiner Mutter und die dann bei meiner petzt. Danke für gar nichts. 

17:02 Uhr

Weltmeisterwürstchen, Deutschlandbiere, Werkzeugkästen im Stadionformat - wenn ich mir die Werbeindustrie so anschaue(n muss), bin ich einfach nur froh, wenn die WM vorbei ist. Und der Garfield-Themenmonat hoffentlich bald beginnt.

46.

Bis hierhin ein Highlight des Spiel: Der Wiederanpfiff. Keine Pointe, leider.

48.

Lag Obdi doch richtig? Die Franzosen jetzt wie Raver am Montagmorgen, also nach der Party von Freitagabend: Schieben die Pille lustlos hin und her. 

49.

Stimmung jetzt wie im Theater, berichtet Bartels. Komisch, wo doch nur knapp 50 Prozent der Tickets an irgendwelche fachdremden Sponsoren und/oder Funktionäre gingen...

50.

Die beiden Mannschaften, des Weiterkommens sicher, spielen hier so, als würden sie darauf warten wollen wie die Gruppe D endet, um erst dann den jeweiligen Wunschgegner im Achtelfinale auszuspielen. Würde mich kaputtlachen, wenn Australien in letzter Minute zwei Buden machen.

52.

Peru macht in Sotschi das 2:0. Wodurch Dänemark quasi sicher im Achtelfinale steht. Höchste Zeit für eine Runde BigMacs. 

55.

Freistoß Eriksen. Prüft Mandanda aus 30 Metern mit einem hundsgemeinen Aufsetzer. Nicht mal in Dänemark haben sie noch Respekt vor dem Alter...

56.

Wäre dieses Spiel ein Asterix-Heft, müsste man Goscinny und Uderzo jetzt verprügeln. Mit einem Amboss von Automatix.

57.

Peter Schmeichel und Lothar Matthäus übrigens zusammen auf der Tribüne. »Und hast du die Niederlage verkraftet? Fehlten euch ein bisschen die Führungsspieler hm? Wolltet den Titel wohl nicht, hm?« »Ach, Peter, wir haben doch jetzt 2:1 gegen die Schweden gewonnen« »Haha, na, das mein' ich nicht, schau mal her...« 




Matthäus weinend ab.

59.

Sisto muss vom Platz. Und, so ehrlich muss man sein: Nach dem Thong-Song kam von ihm nicht mehr viel. 

63.

»Die Dänen können etwas schaffen, das nicht alltäglich ist«, sagt Kommentator und Kalendarist Bartels, »das WM-Achtelfinale.« Tja, das hat auch auch so ein Alltag an sich, das er nicht alle vier Jahren vorbeikommt und freundlich winkt.

64.

Pogba jetzt eine Stunde auf der Bank. 2020 hätte er damit in Deutschland immerhin 9,35 Euro verdient. 

66.

Das Spiel plätschert dermaßen vor sich hin, ich verspüre pausenlos den Drang, pinkeln zu gehen. 

69.

Kollege Ahrens kennt den »Thong-Song« von Sisqo nicht. Ich bin erschüttert. Und werde die Nacht wohl ins Kissen weinend damit verbringen, K-Ci & JoJo zu hören. Während im Hintergrund Bad Boys 2 läuft. Auf einem Röhrenfernseher. Unterbrochen durch Werbung, weil lineares TV. Hach....

70.

Dieser Auftritt der Franzosen erinnert mich an ein Lauffest in Lathen (Ems), zu dem mich meine Eltern, mein Vater hatte gerade seine Marathonphase, als Zehnjährigen an heißem Sonntagnachmittag geschleppt hatten. 2.5 Kilometer laufen und zur Belohnung gab es ein Eis. Ich wurde Erster. Es waren nur zwei gestartet. Der andere lag nach 400 Metern kotzend im Graben.

74.

Aber zurück zum Fußball. Beziehungsweise: Grmpf. 

76.

Dembélé streikt sich vom Platz. Wir können es ihm nicht mal übel nehmen. 

78.

Irgendetwas läuft komplett schief, wenn sogar Tom Bartels niederträchtige Kommentare abliefert. Girouds Schussversuch nennt er »Field-Goal«. Dabei sind wir nicht mal beim Baseball. 

82.

Die größte Sorge beider Mannschaften: Dass sich ein Spieler beim Einpennen in kurzer Hose erkälten könnte.

83.

Nur Nabiel Fekir hat Bock. Schießt aufs Tor, täuscht ab und zu sogar eine Art Dribblung vor. Und alle andern so: »Du, Nabil, haste das Memo nicht gelesen? 0:0 war abgemacht!«

85.

Jetzt gleichen sich sogar die Schwalben diesem Spiel an. Die 11FREUNDE-Ornithologie-Redaktion meint: ein Fliegenschiss.

87.

Das Spiel ist derart ätzend, ohne Schutzhandschuhe würde ich es nicht anfassen wollen.

88.

Fragen, die wir uns in der 88. Minute eines dritten Gruppenspiels mit französisch-dänischer Beteiligung stellen:

- Wann beginnt eigentlich 3. Liga?
- Wie wird Egg Benedict zubereitet?
- Ist Grey's Anatomy wirklich so gut, wie unsere Freundinnen uns immer erzählen?

89.

Zeitgleich bricht Panik im Miele-Headquarter aus. »Wie konnten die Franzosen bloß einen dermaßen effizienten Schongang entwickeln? Wie???«

90.

Gut möglich, wenn Danish Dynamite heute Abend wieder zu Burger und Bier aufbricht, dass McDonalds die Bedienung ablehnt. Die haben ja auch ihr Niveau.

90.+1

Ricci kennt kein Erbarmen. Drei Minuten Nachspielzeit. 

90.+3

Und hätte Ricci nicht in diesem Moment abgepfiffen, wir wären nach Moskau gerannt, hätten ihm die Pfeife vom Hals gerissen und selbst hineingepustet. Voller Inbrunst und Überzeugung. Zwei Eigenschaften, die beide Mannschaften nur vom Hörensagen kennen können.

18:03 Uhr

Wir fassen zusammen: Frankreich und Dänemark latschen Hand in Hand in die KO-Runde, gelangweilter als ein Kleinstadt-Pärchen, das noch zu jung für den Führerschein und den Weg zur großen Shopping-Meile ist, was das H&M-Sortiment in der eigenen Fußgängerzone aber natürlich längst auswendig kennt. Und trotzdem noch mal guckt, ob die hellblaue Löcherjeans nicht doch was ist. Würde lieber mit Wodka-Pulle an der Bushaltestelle rumhängen: der Liveticker.