Fahren Sie mit zur WM, Marvin Plattenhardt?

»Ich habe klare Argumente«

Vor einem Jahr hätte kaum jemand damit gerechnet, dass Marvin Plattenhart zur WM fahren könnte. Doch der Linksverteidiger hat Joachim Löw überzeugt  – und gute Chancen, in Russland dabei zu sein. Warum, erklärt er im Interview.

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Marvin Plattenhardt, bekommen Sie die drei Herthaner zusammen, die jemals für Deutschland eine WM bestritten haben?
Das geht ja gut los (Lacht). Also Arne Friedrich, der hat, so denke ich, sogar zwei Weltmeisterschaften gespielt. Dann, äh, die anderen sind wohl schon ein bisschen her, oder?

Wie man's nimmt.
Halt, Marko Rehmer, das habe ich gerade in der Zeitung gelesen. Und war der dritte? Erich Beer? Ja, der muss es gewesen sein.

Sie haben nicht die Rückennummer 21 bekommen, die Sie seit Jugendtagen tragen, sondern die 2 von Berti Vogts. Ein sicheres Indiz dafür, dass Sie zur WM fahren, oder?
Ob es sicher ist, weiß ich noch nicht, das werden wir nächste Woche erfahren. Und ehrlich, wenn ich dabei bin, spielt die Rückennummer überhaupt gar keine Rolle. Ich freue mich, wenn es klappt und ich der Mannschaft helfen kann.

Wie weit sind Sie schon im Turniertunnel?
Jeder Spieler, der hier ist, ist heiß auf diese WM und möchte in den endgültigen Kader reinrutschen und dabei sein in Russland. Das geht nicht nur mir so. Am Ende wird es eine harte Entscheidung für den Trainer, eine, die wir ihm als Spieler nicht abnehmen können. Wir können nur versuchen, unser Bestes zu geben. Schon deswegen bin ich hier im Turniermodus, alles Nebensächliche blende ich aus.

Woran merken und spüren Sie es auch im mentalen Bereich, dass es sich langsam verengt und auf die WM zuläuft?
Die WM ist ein großes Ereignis, für uns Fußballer das größte überhaupt. Davon träumt jeder Jugendfußballer - davon habe ich auch geträumt. Die Vorbereitung darauf hat ja nicht erst hier im Trainingslager begonnen. Jeder Spieler, der mit einer WM-Teilnahme gerechnet hat, tat schon Wochen zuvor etwas dafür, dieses etwas Mehr auf allen Ebenen. Hier kommt bloß noch der Feinschliff obendrauf.

Sie haben im vorigen Sommer den Confed-Cup mitgewonnen. Von daher war eine WM-Teilnahme in Reichweite geraten. Was haben Sie für sich extra, zusätzlich oder anders gemacht?
Wissen Sie, diese Frage stellen Sie mir nicht als Erster. Ich bin grundsätzlich ein Typ, der eine sehr klare Lebensweise hat. Ich bin positiv gestimmt und motiviert, im Fußball wie im Privaten. Für dieses Ziel WM brauchte ich keinen zusätzlichen Ansporn. Ich bin ein ausgesprochen in mir ruhender Typ, manche Außenstehende würden mein Alltagsleben vielleicht als langweilig bezeichnen. In den entscheidenden Jahren mit 17, 18 und 19, wenn die Weichen gestellt werden, habe ich gelernt, dem Sport alles unterzuordnen.

Das mag sein, aber seitdem Sie Nationalspieler sind, fordert Ihr Verein Hertha BSC auch ein wenig mehr von Ihnen ein.
Absolut, und ich versuche, immer mehr eine Führungsrolle anzunehmen und auszufüllen. Das hat mir Pal Dardai schon deutlich zu verstehen gegeben. Als erfahrener Spieler prägt man einen Rundumblick in einer Gruppe aus und bringt sich ein. Ansonsten versuche ich, meine fußballerischen Stärken zu schärfen, das Flanken etwa und die Freistöße.

Hat Ihnen Ihr Trainer Pal Dardai etwas mit auf dem Weg gegeben, einen Ratschlag oder ein ungarisches Sprichwort vielleicht?
Nicht nur der Pal, das ganze Trainerteam in Berlin - so viele Leute haben mir die besten Wünsche mit auf den Weg gegeben. Ich bin auch hier immer mit einigen Spielern in Kontakt. Ihre Teilhabe stärkt mich.