Wie die englische Presse Jagd auf Raheem Sterling macht

Schüsse aus der Hüfte

Raheem Sterling hat sich ein Sturmgewehr auf die Wade tätowieren lassen. Jetzt wird in England sein Rauswurf aus dem WM-Kader gefordert. Das hat vor allem mit seiner Herkunft zu tun.

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Ratte, Geizkragen, Idiot: Raheem Sterling bekam von der englischen Boulevardpresse schon fast jede Beleidigung um die Ohren gehauen. Fuhr er teure Autos, war er ein Angeber. Kaufte er günstige Klamotten, war er ein Schnäppchenjäger. Kurz gesagt: Egal wie Sterling es machte, der Stürmer von Manchester City machte es verkehrt.

Das nächste gefundene Fressen für die Presse hat der 23-Jährige sich nun auf die rechte Wade tätowieren lassen. Seit Kurzem ziert seinen Unterschenkel ein M16-Sturmgewehr, das er in einem Instagram-Post der Öffentlichkeit präsentierte. Bevor Sterling sich erklären konnte, war die Empörungsmaschinerie schon in Gang gesetzt.

Immer noch Privatsache

»Wir verlangen, dass er dieses Tattoo entfernen oder überstechen lässt«, forderte Lucy Cope, Gründerin der Kampagne »Mothers Against Guns« in der »Sun«. Ihr Sohn wurde 2002 vor einem Londoner Nachtklub erschossen. »Weigert er sich, sollte Sterling aus dem Team fliegen.«

So tragisch der Tod ihres Sohnes ist: Eigentlich geht es die gute Frau nichts an, wer sich welches Tattoo wohin stechen lässt. Zumal Sterling, dem von seinen Kritikern jetzt die Glorifizierung von Schusswaffen vorgeworfen wird, das Gegenteil davon ausdrücken will.

»Mein Vater wurde erschossen«

Der in Jamaika geborene Nationalspieler gab als Reaktion auf die harsche Kritik Einblick in seine Beweggründe: »Als ich zwei Jahre alt war, wurde mein Vater erschossen. Ich habe mir geschworen, niemals in meinem Leben eine Waffe in die Hand zu nehmen. Dafür schieße ich mit Rechts. Deswegen hat diese Tätowierung eine tiefere Bedeutung für mich. Zumal sie noch gar nicht fertig ist.«

Auch wenn man darüber streiten kann, ob ein M16-Sturmgewehr auf der Wade der beste Weg ist, seine Aversion gegen Schusswaffen zum Ausdruck zu bringen. Was bleibt, ist eine medial konstruierte Hysterie über ein unfertiges Tattoo, das einen persönlichen Wert für Raheem Sterling hat. Mehr nicht.


Screenshot: Instagram/Raheem Sterling