Wie Parma Calcio 1913 die Rückkehr in die Serie A gelungen ist

Es kann nur einen geben

2015 stürzte der insolvente FC Parma in die Serie D ab. Nach drei Aufstiegen in Folge ist Parma unter neuem Namen zurück. Dank seiner Fans, seinen Geldgebern und dem wahrscheinlich treuesten Kapitän der Welt.

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»Jetzt kann ich zurücktreten«, verkündete Parma-Kapitän Alessandro Lucarelli mit brüchiger Stimme. Schweiß und Tränen liefen auf seinem markanten Gesicht ineinander. Der Bart ums Kinn bereits ergraut, atmete der 40-Jährige seine Erleichterung mit schweren Zügen ins Mikrofon.

Ein 2:0-Sieg gegen Spezia Calcio hatte soeben die Rückkehr in die Serie A perfekt gemacht. Drei Jahre nachdem der Parma Calcio 1913, der davor FC Parma und davor wiederum AC Parma hieß, den bitteren Gang in die Serie D hatte antreten müssen. Drei Jahre nachdem Kapitän Lucarelli, seit 2008 im Verein, als 37-Jähriger versprochen hatte, den Klub aus der Region Emilia-Romagna zurück ins italienische Oberhaus zu führen. Dieses Versprechen hat er eingelöst.

Gemeinsam gegen die Bedeutungslosigkeit

Der Durchmarsch von der vierten Liga in die Serie A bedeutet einen historischen Kraftakt, der in der Geschichte des italienischen Fußballs einmalig ist. 2015 war um diese Jahreszeit vom zweimaligen UEFA-Cup-Sieger nicht viel mehr übrig als ein Scherbenhaufen: Schulden im dreistelligen Millionenbereich, unbezahlte Gehälter und eine sportliche Talfahrt, die mit mickrigen 19 Punkten auf dem letzten Tabellenplatz endete.

Lucarelli war der einzige Spieler des Kaders, der dem Verein bis in die Niederungen des italienischen Fußballs die Treue hielt. Gemeinsam mit Fans und Verantwortlichen stemmte sich der Innenverteidiger gegen die Bedeutungslosigkeit. »Parma ist nicht verschwunden und wird es nie sein«, verkündete Parmas frühere Trainerlegende Nevio Scala trotzig, der nach der Insolvenz das Präsidentenamt im Verein übernahm. Er sollte recht behalten.

Mehr als eine Symbolfigur

Mit Unterstützung der Anhänger, die zehn Prozent der Klubanteile über ein Crowdfunding-Projekt erwarben, und der Finanzkraft des italienischen Lebensmittelgiganten Barilla im Rücken nahm Parma Calcio 1913 die Hürde Serie D ohne Niederlage. Im Jahr darauf gelangte die Mannschaft um Lucarelli über den Umweg der Playoffs in die Serie B.

Parmas alternder Kapitän diente dabei nicht nur als Symbolfigur, die aus Gründen der Sentimentalität noch auf der Kaderliste stand. In 71 Viert- und Drittligaspielen stand Lucarelli im Schnitt 87 Minuten auf dem Platz. Selbst in der Serie B lief der Mann, der strenggenommen älter ist als sein Arbeitgeber, noch satte 32 Mal auf.