Welche Lehren die Bayern aus dem Scheitern in Madrid ziehen sollten

Alles war gut so!

Bayern scheidet knapp gegen Madrid aus – und schon geht die Suche nach den Schuldigen los. Dabei sollte sich niemand über den Schiedsrichter oder die Spieler ärgern, sondern lieber eine Sache akzeptieren: Fußball ist zum Glück noch immer ein wunderbar wilder Sport. 

imago

»Glück und Pech liegen im Fußball nah beieinander«, sagte Thomas Müller kurz nach dem Abpfiff. Das klang wie eine Floskel, dahergesagt, um bei einem dieser nervigen Fieldinterviews etwas Zeit zu gewinnen oder einfach was gesagt zu haben. Aber so war es nicht, und so war es auch nicht gemeint. Müller hatte an eine der Grundwahrheiten des Fußball erinnert.

Und vielleicht war dieses Halbfinale der Champions League überhaupt dazu da, uns noch einmal deutlich zu machen, wie sehr das Schicksal die Ergebnisse des Fußballs bestimmt. Denn natürlich war der FC Bayern über beide Spiele gesehen die bessere Mannschaft. Natürlich hätte das Team von Jupp Heynckes das Finale mehr verdient gehabt als Real Madrid. Aber die Bayern werden trotzdem nicht nach Kiew fahren.

Mitreißender Old-School-Fußball

Das Rückspiel in Bernabeu war ein Epos, wie ihn sonst eher die großen Boxkämpfe im Super-Schwergewicht produzieren. Beide Mannschaften gaben alles, und auch das ist keine Floskel. Es hatte etwas Archaisches, wie sie sich bis zum Schlusspfiff restlos aufbrauchten. Wild ging es dabei zu, denn beide Mannschaften spielten mitreißenden Old-School-Fußball.

In einem nicht sehr eng gezogenen taktischen Rahmen versuchten sie sich gegenseitig zu beweisen, wer die besseren Zocker sind. Es gab Abschnitte, in denen der Ball fünf Mal in der Minute den Besitzer wechselte. Aber das war kein Ausdruck von Stümperei, sondern davon, dass sich sie die Mannschaften völlig uncool aufeinander stürzten.

Ganz großer Sport

Auf bewunderungswürdige Weise lösten die Bayern dabei sogar die metaphorisch verrutschte Forderung von Karl-Heinz Rummenigge ein, den »Heldentod zu leben«. Bis in die letzte Sekunde sah es so aus, als könnten sie Helden werden, die einem großen Gegner in dessen Stadion die entscheidende Niederlage zufügen. Chancen dazu hatten sie, aber immer fehlte was, eine bessere Fußstellung hier, ein Blick auf den Nebenmann dort.

Oder plötzlich tauchte Keylor Navas auf, Madrids Keeper, der doch der Depp des Hinspiels gewesen war, als ihn Kimmich verlud. Einen Handelfmeter für die Münchner hätte es auch noch geben können, eigentlich sogar müssen. Alles versuchten die Bayern in diesem Match wankender Abwehrreihen und sanken schließlich doch zu Boden, geschlagene Helden eines großen Spiels. Ganz großer Sport war das, für den man allen dankbar sein sollte, die dazu beitrugen.