Giovane Elber über seine wilden Jahre bei den Bayern

»Wir dachten: Die sind nicht ganz dicht«

Mit Siegen in Champions-League-Halbfinalspielen bei Real Madrid kennt er sich aus: Giovane Elber über seine Karriere in der brasilianischen Nationalmannschaft, die Nachspielzeit von Barcelona und Ärger mit Markus Merk.


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198

Für die aktuelle 11FREUNDE-Ausgabe #198 sprachen wir mit Giovane Elber über seinen Werdegang. Über die Kindheit in Brasilien, die harten Jahre in Mailand und Zürich, das »Magische Dreieck« in Stuttgart und die Party nach dem Champions-League-Sieg gegen Valencia. Da Giovane Elber sehr viel erlebt hat, das Heft aber nicht genug Platz für all seine Geschichten bot, gibt es den Rest seiner Anekdoten einfach hier:

Giovane Elber, wie kamen Sie auf ihre weißen Schuhe?


In den Achtzigerjahren spielte ein brasilianischer Nationalspieler, Renato Gaucho, mit weißen Schuhen. Als ich das sah, nahm ich mir eine Sache vor: Wenn ich es als Fußballer schaffen würde, wollte ich auch weiße Schuhe tragen. Als ich dann in Stuttgart spielte, fragte ich den Adidas-Chef, ob er einen weißen Schuh für mich entwerfen könnte. Er meinte: »Giovane: Machen können wir das. Aber ich glaube nicht, dass du damit in der Bundesliga herumlaufen möchtest. Das gibt auf die Knochen.« Als ich sie das erste Mal im Training ausprobierte, wollten mir auch meine Mitspieler verbieten, die Schuhe im Spiel zu tragen. »Das sieht aus wie ein Turnschuh, das geht nicht«, sagten sie. Aber ich wollte es probieren. Also zog ich sie an – und traf gleich im ersten Spiel gegen Gladbach. Danach war die Sache für mich entschieden.

Ende der Neunzigerjahre waren Sie und ihre weißen Schuhe in Europa längst ein Star – nur in ihrer Heimat Brasilien kannte Sie keine Sau. Warum?

Weil ich meine Heimatstadt Londrina schon als 18-Jähriger verlassen hatte, um zum AC Mailand zu wechseln. Dummerweise ohne zuvor ein einziges Spiel als Profi in Brasilien gemacht zu haben. Den Italienern war ich bei der U20-WM in Portugal aufgefallen, also haben Sie mich für eine Million US-Dollar verpflichtet.

Sie landeten 1990 in Europa – und verschwanden in Brasilien vom Radar.
Bis im Dezember 1997 der brasilianische Nationaltrainer Mario Zagallo nach Deutschland kam. In einem Interview fragten ihn die Journalisten: »Wird Giovane Elber bei der Weltmeisterschaft in Frankreich dabei sein?« Er antwortete: »Wie viele Giovane Elbers haben wir in Brasilien? Tausende! Der soll sich ein Flugticket kaufen und im Sommer in den Urlaub fliegen.«



Klingt übel.

Am nächsten Tag wollten die deutschen Reporter eine Reaktion von mir hören. Ich sagte: »Der Mann ist alt und hat nicht mehr alle Tassen im Schrank. Der weiß überhaupt nicht, wer ich bin!« Die lachten sich alle kaputt. Aber: Drei Wochen später wurde ich von Zagallo für die Nationalelf nominiert. Anscheinend musste ich ihn erst ärgern. 



Sie spielten mit Brasilien den Gold Cup.

Ein Turnier, für das sich niemand interessierte. Ich saß auch meistens auf der Bank. Wenn Zagallo mich einwechseln wollte, sagte er nur »Junge« zu mir. Er konnte sich meinen Namen einfach nicht merken. Aber: Wenn ich erst im Spiel war, traf ich immer. Einmal sogar per Hacke.

Trotzdem fuhren Sie weder 1998 noch 2002 mit zur WM.

Das Turnier 1998 verpasste ich verletzt. Damals hätte ich gute Chancen gehabt, in den Kader zu rutschen. 2002 stellten die Bayern mich nicht für die letzten beiden Qualifikationsspiele frei, weil ich angeschlagen war. Der Verband wollte, dass ich ohne die Erlaubnis des Vereins fliege, aber auf den Ärger hatte ich keine Lust. Die Bayern waren mein Klub, sie zahlten mein Gehalt, da musste ich loyal bleiben. Also war die Sache für mich gelaufen.