Bitter: Der FC Bayern hat seinen Saisonauftakt verpatzt

Neun Monate Vorbereitung für nichts

Bittere Pleite: Zum Auftakt seiner einmonatigen Saison kassiert der FC Bayern direkt eine Niederlage. Sind 31 Testspiele gegen deutsche Amateurmannschaften einfach zu viel? 

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Leere Blicke, Kopfschütteln, Fassungslosigkeit: Die Enttäuschung stand den Bayern-Spielern ins Gesicht geschrieben. »Da arbeitest du neun Monate auf das erste Pflichtspiel hin, und dann sowas….«, warf ein fassungsloser Thomas Müller den Journalisten entgegen, bevor er abwinkend im Kabinentrakt verschwand. Jupp Heynckes, der mit hochrotem Kopf an der Seitenlinie stand, wirkte angezählt, als er sich wenig später den Pressevertretern stellte. »Jagutäh«, so Heynckes. Und weiter: »Wie schon gesagt.«

Damit brachte er die Stimmung des Rekordmeisters auf den Punkt. Neun lange Monate Saisonvorbereitung liegen hinter Heynckes und seinen Mannen. Eigentlich, so ein Insider, habe man sich für die vierwöchige Pflichtspiel-Phase gut gerüstet gesehen. Es sei alles drin gewesen. Und dann? Marcelo, Asensio, 1:2. Eine bittere Pleite, nach der sich die Bayern-Bosse unangenehme Fragen gefallen lassen müssen. 

»Gegen Kirmestruppen wie Frankfurt oder Bremen«

Etwa: War die Trainingssteuerung optimal? Sind 31 Testspiele gegen diverse deutsche Amateurvereine die richtige Vorbereitung auf einen Gegner vom Formate Real Madrids? Oder hätte es ein bisschen mehr sein dürfen? »Wir spielen seit einem Jahr jeden zweiten Samstag auf irgendeinem Acker gegen Kirmestruppen wie Frankfurt oder Bremen. Hier Zuhause schießen wir die 7:0, 8:0 aus dem Stadion. Aber wem soll das denn helfen?«, grantelte ein Stammspieler, der anonym bleiben wollte, vor allem aufgrund seiner Rolle als Kapitän. »Und diese komische DFB-Pokal-Promotour? Was wollen wir denn in Berlin? Anstatt zu irgendeinem Kick nach Leverkusen zu fahren, hätten wir die Zeit lieber sinnvoll nutzen sollen. Mit einem Trainingsspiel gegen unsere C-Jugend zum Beispiel.«

Auch Bayern-Boss Uli Hoeneß meldete sich, natürlich, zu Wort. Auf die Nachfrage, ob die Bundesliga einfach zu schwach sei, damit sich der FCB ordentlich auf seine Gegner in der Champions-League vorbereiten könne, schwieg Hoeneß zunächst, guckte lange verständnislos, googelte dann »Bundesliga«, murmelte ein nachdenkliches »Ach ja«, und setzte zur Wutrede an: »Wir sind nicht das Sozialamt des deutschen Fußballs. Wenn der FC Bayern in den wirklich wichtigen Wettbewerben erfolgreich sein soll, dann muss die, äh, DF, äh, hier, na, der Verband halt, der muss sich was einfallen lassen. Wir würden eine Spitzenspieler-Steuer vorschlagen, die die anderen Klubs an uns zahlen. Denn eins sollte klar sein: Wenn der FC Bayern nicht mindestens jedes Jahr im Finale der Champions League steht, dann geht es mit dem deutschen Fußball bergab, aber im Eiltempo. Und wir können auch anders: Die Ligen in China und Katar sind groß am kommen. Die würden sich die Finger nach einem FC Bayern lecken.«