Kampf gegen Ausbeutung in Österreich

Mindestlohn für Profis

Österreichs Erst- und Zweitligisten müssen ihren Spielern ab Juli mindestens 1.300 Euro pro Monat bezahlen. In der Praxis dürften viele nicht einmal das bekommen.

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Es klingt wie eine Comedy-Nummer: In Österreich wird zum 1. Juli ein neues Mindestgehalt eingeführt. Die Maßnahme soll Arbeitnehmer vor Lohndumping schützen und gilt für – Profifußballer. Kräftig gelacht? Ein Blick auf die Zahlen zeigt: So lustig ist das gar nicht. Künftig darf ein Erst- oder Zweitliga-Klub in der Alpenrepublik einem Profi nicht weniger als 1.300 Euro monatlich zahlen – brutto, also vor Steuern.

In weiterer Folge soll der Mindestlohn dann bis zum Jahr 2020 auf 1.550 Euro gesteigert werden. Dass eine solche Regelung überhaupt nötig ist, lässt tief blicken: Bislang gibt es offenbar eine Reihe von Profis in Österreich, die weniger als 1.300 Euro brutto im Monat einstreichen – also weit weniger als 1.000 Euro netto. Ein wahrer Hungerlohn.

Kuriose Konstrukte

Geht es aber nach Gernot Zirngast, dem Vorsitzenden der österreichischen Spielergewerkschaft VdF, ist »mit diesem Abschluss ein wichtiger Schritt gelungen, der für ein hohes Maß an Rechtssicherheit auf beiden Seiten sorgt«. Fast schon feierlich fügt Zirngast an: »Nur aufgrund der Sozialpartnerschaft können die speziellen Aspekte des Sports für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen geregelt werden.«

Sozialpartnerschaft? Dass so ziemlich jeder andere Berufsstand angesichts von 1.300 Euro brutto im Monat wütend auf die Straße ziehen würde, um für mehr Kohle zu demonstrieren, lässt Zirngast unerwähnt. Auch die Tatsache, dass Zweitligisten den Micker-Mindestlohn sogar noch drücken können, hebt der Gewerkschafts-Boss lieber nicht hervor: Geht nämlich ein Spieler aus Österreichs Unterhaus nebenher einem Halbtags-Job in einer anderen Branche nach, kann der Klub dessen Gehalt mal eben auf 650 Euro halbieren – was in der Praxis zu kuriosen Konstrukten führen dürfte.

Profis am Existenzminimum

Das Problem liegt auf der Hand: Österreich ist volkswirtschaftlich einfach zu klein für Profi-Fußball auf breiter Ebene. Das zeigt schon der Vergleich mit Deutschland, wo auf rund 80 Millionen Einwohner 54 Profiteams kommen. In Österreich sind es nach der Ligareform zur kommenden Saison 26 Klubs (zehn in der 1. sowie 16 in der 2. Liga) – bei knapp neun Millionen Einwohnern. Schon die bisherigen 20 Profivereine (je zehn in der 1. und 2. Liga) nagen – abgesehen von RB Leipzigs Farmteam Red Bull Salzburg – mehr oder weniger am Hungertuch.

Ein Erstligist erhält in Österreich kaum mehr als eine Million Euro TV-Geld pro Saison. Wirklich große Sponsoren finden sich nur in Salzburg sowie mit Abstrichen bei Austria und Rapid Wien. Entsprechend begrenzt sind die Spielergehälter in der Breite. Eine Umfrage der Spielergewerkschaft VdF aus dem Jahr 2014 förderte zutage, dass etwa ein Viertel der österreichischen Erstliga-Fußballer weniger als 30.000 Euro brutto pro Jahr verdienten. Derzeit, so schätzen Branchenkenner, leben rund 200 so genannte Profis in Österreichs 1. und 2. Liga am Rande des Existenzminimums – oder sogar darunter.