Warum sich tausende Fans für 50+1 einsetzen

»Die Regel ist die rote Linie«

Fast 3.000 Fanclubs haben innerhalb einer Woche der Kampagne »50+1 bleibt!« ihre Unterstützung bekundet. Warum es diese breite Zustimmung gibt, erklärt uns einer der Initiatoren.

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Manuel Gaber, Sie sind SC Freiburg-Fan und Mitinitiator der bundesweiten Kampagne »50+1 bleibt!«. Morgen entscheidet die DFL auf ihrer Mitgliederversammlung, ob sie eine Debatte über die Abschaffung der 50+1-Regel führen wird. Aufgeregt?
Es ist auf jeden Fall eine spannende und sehr entscheidende Mitgliederversammlung. Ich hoffe nicht, dass 50+1 fallen wird.

Warum ist Ihnen gerade der Erhalt von 50+1 so wichtig?
Weil diese im deutschen Fußball sehr wichtige Regel jetzt grundsätzlich zur Diskussion gestellt ist. Es gibt auch andere Entwicklungen, die besorgniserregend sind. Aber wenn 50+1 fällt, gehen wir davon aus, dass sich der Wettbewerbsdruck für alle Klubs erhöhen wird. Das kann im Extremfall dazu führen, dass die Finanzkraft von so manchem Eigentümer wichtiger wird als die solide und erfolgreiche Arbeit anderer Vereine.

Eine richtungsweisende Entscheidung also?
Ja. Hier ist eine Grundsatzdebatte begonnen worden über eine Regel, die dem Fußball sehr viel Gutes getan hat und die bis vor wenigen Jahren auch noch von allen Klubs hochgehalten wurde.

Ist es dann nicht schon zu spät für Protest?
Nein. Der Erhalt von 50+1 ist ein entscheidender Faktor und dafür gilt es zu kämpfen. Natürlich gibt noch viele weitere Entwicklungen, die wir Fans kritisch sehen. Wir wollen nicht, dass es so weitergeht, sondern eine Debatte darüber führen, was zu tun ist, damit sich der Fußball wieder mehr an der Lebensrealität der normalen Leute orientiert. Es gibt ja zurzeit viel Protest, zum Beispiel gegen die Montagsspiele. Die Fans merken, dass es vielen Verantwortlichen in erster Linie nur noch um wirtschaftliche Interessen geht und der Sport immer mehr in den Hintergrund rückt.

Könnten die Vereine denn nicht jeweils für sich selbst entscheiden, ob sie an 50+1 festhalten wollen — oder eben nicht?
Der springende Punkt an 50+1 ist doch, dass es eine gemeinschaftliche Regel ist, die für alle gilt. Wenn sich ein Klub einen großen Investor ins Boot holt, erhöht das den Wettbewerbsdruck für die anderen.

Die Regel ist doch aber ohnehin schon aufgeweicht. Für Hoffenheim, Leverkusen, Wolfsburg und Leipzig gibt es Ausnahmeregelungen.
Das ist der Status Quo. Und es gibt klare Kriterien, die erfüllt werden müssen, damit eine Ausnahmeregelung beantragt werden kann. Das Beispiel Martin Kind in Hannover zeigt, dass diese Kriterien funktionieren. Man kann auch grundsätzlich über Ausnahmeregelungen diskutieren. Aber leider geht die Diskussion ja in eine andere Richtung.