Wie der Konflikt zwischen Fans und Verein in Hannover eskaliert

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Der Konflikt zwischen Ultras und Verein in Hannover eskaliert. Warum die Gräben so tief sind wie noch nie.

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Für genau ein Spiel war in Hannover wieder Stimmung. Ultras und aktive Fanszene setzten den seit August 2017 anhaltenden Stimmungsboykott beim Heimspiel gegen Freiburg aus. Im Fanblock der Ultras wehten wieder Fahnen. Der Block sprang und sang. Doch schon beim vergangenen Heimspiel gegen Mönchengladbach hatte sich die Stimmung gedreht. Die eine Seite skandierte lautstark »Kind muss weg!« Die andere Seite antwortete: »Ultras raus!«

Der Konflikt ist nicht neu – Die Dimension schon

Der Konflikt zwischen der aktiven Fanszene und der Vereinsführung rund um Präsident Martin Kind besteht schon seit Jahren. Kind will die sogenannte 50+1-Regel in Hannover kippen. Diese sorgt im deutschen Profifußball dafür, dass der Verein stets das Sagen über die Profimannschaft hat und kein Investor. Überraschend hatte Kind Anfang Februar seinen Antrag auf Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel »ruhend gestellt«. Davor kursierte bereits die Meldung, die Deutsche Fußball Liga (DFL) würde den Antrag ablehnen. Es sei fraglich, ob Kind den Verein 20 Jahre lang ununterbrochen und erheblich gefördert habe. Hannover 96 teilte mit, dass es nie darum ging »vollends auf die juristische Karte zu setzen«. Das verwundert, denn Kind hatte für den Fall einer Ablehnung stets mit einer Klage gedroht.

Im August 2017 entschied sich die aktive Fanszene dazu, im Stadion zu protestieren und die Mannschaft bis auf Weiteres nicht zu unterstützen. Der Protest war eine Reaktion auf die jüngsten Ereignisse im Verein. Dieser hatte 119 Mitgliedsanträge ohne Begründung abgelehnt. Auch die Mitgliederversammlung im April 2017 sorgte für Ärger. Ein Antrag, der die Mitbestimmung der Mitglieder bei Anteilsverkäufen gesichert hätte, verfehlte mit etwa 60% Zustimmung nur knapp die notwendige 2/3-Mehrheit. Ein anderer Antrag wurde jedoch mit großer Mehrheit angenommen: Der Verein hätte demnach vor Kinds Antrag auf Ausnahmegenehmigung bei der DFL seine Mitglieder detailliert darüber informieren müssen. Doch Kind erklärte kurz danach, dass er den Beschluss der Mitgliederversammlung nur als Empfehlung sehe.

Die Fanszene stellt Forderungen

Deshalb war es ruhig im Stadion von Hannover 96. Die ganze Hinrunde. Bis zum 22. Spieltag. Überraschend erklärte die aktive Fanszene vor dem Heimspiel gegen Freiburg, vorerst auf den Stimmungsboykott zu verzichten. Allerdings knüpften sie daran Forderungen, die bis zu einer Podiumsdiskussion zwischen Fans und Vereinsvertretern am 26. Februar erfüllt werden sollten. Die abgelehnten 119 Mitglieder sollten rückwirkend in den Verein aufgenommen werden. Die kommende Mitgliederversammlung sollte von einem unabhängigen Notar überwacht werden. Außerdem sollte auf der Podiumsdiskussion ein Fragenkatalog beantwortet werden, der bereits im September 2017 an den Verein übergeben wurde. 90 Fanclubs hatten den Fragenkatalog unterzeichnet.