Warum Max Meyer für Schalke so wichtig ist

Die Verwandlung

Vom »Wunderknaben« zum »Buhmann« in vier Jahren: Vor Saisonbeginn hätte so mancher Schalke-Fan Max Meyer noch persönlich zu einem neuen Verein gekarrt. Im Winter 2018 ist er plötzlich das gefeierte Herzstück des Teams.

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»Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.« Mit diesem Satz beginnt Franz Kafkas Die Verwandlung. Der mit seinem Leben unglückliche aber in finanziellen Zwängen gefangene Handelsreisende Samsa verwandelt sich über Nacht in einen riesigen Käfer. Was sein Leben, verständlicherweise, auf den Kopf stellt.

Auf Schalke wurde diese Saison eine neue Verwandlung geschrieben. Der Autor der Erzählung? Domenico Tedesco. In der Hauptrolle: Max Meyer. Und genau wie bei Samsa stellte sie auch Meyers Leben, oder zumindest seine Karriere, auf den Kopf.

Mit der Schubkarre nach Italien

Vor Saisonbeginn hätte so mancher Schalker Fan den ehemaligen »Wunderknaben« (Welt) noch höchstpersönlich mit der Schubkarre nach Italien, Spanien oder England verfrachtet. Das frühere »Top-Talent« (WAZ), das mit 21 schon 100 Bundesligaspiele auf dem Buckel hatte und laut Jürgen Klopp »bei 90 Prozent aller Nationalteams Stammspieler und Kapitän« wäre, war innerhalb von nur vier Jahren nach seinem Profidebüt 2013 zum »Buhmann« (Westfalenpost) geworden. 

Unglücklich war Meyer. Von der, wie er selbst sagt, »sehr extremen« Erwartungshaltung im Schalker Umfeld erdrückt. Gefangen in immer wechselnden positionellen Zwängen. Unter Roberto Di Matteo war er Zehner, unter Andre Breitenreiter Linksaußen, Markus Weinzierl setzte ihn wahlweise auch als hängende Spitze oder Mittelstürmer ein. Meyer spielte oft, aber fast nie durch und ebenso selten gut.

Dann kam Domenico Tedesco. Und Meyers Zeit bei Schalke schien endgültig abgelaufen. Im System Tedesco gibt es die 10 nicht. Die Position, auf der Meyer sich selbst sieht. Dementsprechend stand er an den ersten sieben Spieltagen 142 Minuten auf dem Feld, rund anderthalb Spiele. Doch am achten Spieltag erwachte Meyer aus seinen unruhigen Schalker-Träumen.