Warum Bayern-Fans Besiktas-Anhänger zum Abendessen einluden

Die große Aldi-Versöhnung

Zwischen den Anhängern von Bayern München und Besiktas schwelte über 20 Jahre ein Konflikt. Vor dem heutigen Champions-League-Achtelfinale wurde der nun beigelegt. Was ist passiert?

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Die Deutschland-Karte lässt sich auf viele Weisen teilen. Die alten und die neuen Bundesländer, Urlaub am Meer oder in den Bergen, oder auch: der Aldi-Äquator. Dieser beginnt knapp westlich von Essen, schneidet Hessen in zwei Teile und endet zwischen Plauen und Hof an der tschechischen Grenze. Südlich dieser unsichtbaren Demarkationslinie gehen die Leute zu Aldi Süd, in den übrigen Regionen der Republik müssen sie mit dem Nord-Pendant vorlieb nehmen.

Gerüchten zufolge könnte damit bald Schluss sein. Aldi Nord und Süd wollen demnach zu Aldi Deutschland fusionieren. Der Legende nach ist ein Streit über Zigaretten schuld an der ursprünglichen Aufteilung. Theo Albrecht wollte diese ins Sortiment des Discounters aufnehmen, sein Bruder Karl war strikt dagegen, und so entschied man sich, getrennte Wege zu gehen. Bis jetzt.

Dämliche Aktion

Streit wegen Aldi? Das kennen die Fans von Bayern München und Besiktas Istanbul zur Genüge. Denn das heutige Champions-League-Achtelfinale zwischen Bayern und Besiktas hat eine 20 Jahre alte Vorgeschichte. Damals, im Herbst 1997, trafen die Teams schon einmal in der Gruppenhase des Wettbewerbs aufeinander. Sportlich eine klare Sache: 2:0 siegten die Münchner in Hin- und Rückspiel.

In Erinnerung blieb das Spiel allerdings vor allem aufgrund einer Aktion in der Südkurve des Olympiastadions, in der sich seinerzeit der harte Kern der rot-weißen Anhängerschaft einfand. So wie die Geschichte erzählt wird, kam eine Gruppe Jugendlicher am Tag der ersten Begegnung auf die Idee eine reichlich dämliche Spontan-Choreographie anzuzetteln. Für 50 Mark, wie der »Club Nr. 12«, die Dachorganisation der FCB-Fans, kürzlich bekanntmachte, kauften die Anhänger einen Karton Aldi-Tüten und verteilten diese im Fanblock. Zusammen mit dem Spruchband »Aldi grüßt Kunden« ergab das ein unschönes Bild, das mehr als offensichtlich mit dem Ressentiment gegenüber vermeintlich armen Türken spielte.