Die 11 des Spieltags (23)

Ein Baum wie ein Mann


Marco Reus trotzt dem Gladbacher Greenkeeper, Arjen Robben hat tatsächlich einen rechten Fuß und Manuel Baum kann richtig wütend werden. Ist eh immer auf 180: die 11 des Spieltags.

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Marco Reus
Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Da kommt ein Spieler nach der x-ten schweren Verletzung grade aus der Reha zurück, hat erst zwei Einsätze in den Knochen und findet dann bei seinem Ex-Klub einen Acker vor, auf dem er sich zwar hervorragend eigene Pommes ziehen könnte, auf dem er aber mit seiner Leidensgeschichte doch bitte nicht Fußball spielen sollte. Und dann spielt er trotzdem Fußball. Und entscheidet das Spiel mit einem Schlinger-Traumtor, dessen Flugbahn selbst die verpickeltsten Physik-Nerds nicht errechnen könnten. Auch weil sein Kumpel…


…André Schürrle

ihm den Ball liebevoller auflegte als ein Vollblut-Digger seine Lieblings-B-Seite einer allerhöchstens 19 Mal gepressten, mindestens 40 Jahre lang verschollenen und sowieso einmaligen Curtis-Mayfield-Demo-Platte. Was uns zu der dringlichen Vermutung führt, dass André Schürrle, dieser fast zum Transfer-Gag verkommende Fußballer, tatsächlich »back« sein könnte. Tempo, Stringenz, Ertrag — plötzlich stimmt das alles wieder bei dem Mann, der sich einst in einem dubiosen Interview für einen Gamer hatte halten lassen müssen. Bleibt also nur die Frage: Wann eist ihn der VfL Wolfsburg für 45 Millionen Euro aus Dortmund los?




Gladbacher Greenkeeper

Lech Walesa, Prinzessin Leia, Mario Basler: Wir lieben Rebellen. Weshalb uns seit gestern auch Gladbachs Greenkeeper mit Vehemenz ans Herz gewachsen ist. Mit einer Aktion, die für das Unangepasste steht, für den Widerstand und gegen den glattgebügelten, eben-gemähten modernen Fußball. Als hätte er mit dem Flickenteppich, den er den Spielern am Sonntag zur Verfügung stellte, symbolisch den Stinkefinger rausgeholt, bevor er sich statt auf den Rasenmäher auf sein Moped setzte, um mit Fuchsschwanz am Spiegel über den Bürgersteig zu knattern und den Khaki-Rentnern im Viertel das Fürchten zu lehren. Ein echter Held.

Roman Bürki
Ein Held ist ebenfalls, und damit haben wir das Spiel dann auch abgehakt, Dortmunds Schlussmann Roman Bürki. Der wischte gegen Gladbach alles weg, was ihm in den Weg geschleudert wurde, zeigte mehr Paraden als alle Despoten dieser Welt zusammen (genau elf) und spielte so zum neunten Mal in dieser Saison zu Null. Was der zottelige Sky-Internet-Jüngling am Katzentisch im Studio unbedingt mit knapp-nicht-ulkigen Twitter-Reaktionen hätte würdigen sollen. Was er vielleicht ja sogar getan hat. So oder so: Bürki jetzt mit der weißesten Weste seit Michael Jackson auf dem Thriller-Cover.

Robin Quaison
Es gab vor Freitagabend ausreichend Gründe, Robin Quaison nicht auf dem Zettel zu haben. Und wir hätten quasi ausnahmslos Verständnis für Werktätige gezeigt, die neben all der Schufterei nicht auch noch die Zeit finden, sich mit einem schwedischen Stürmer von Mainz 05 zu beschäftigen, der in der Bundesliga bis dato seltener Tore schoss als Dieter Hecking den Friseur wechselt. Es sei denn, die Werktätigen sind zufälligerweise Angestellte von Hertha BSC. Mit dem Spezialgebiet Innenverteidigung. Deren einzige Schufterei vor einem Spiel gegen Mainz 05 ja darin bestehen sollte, Stürmer wie Robin Quaison auf dem Zettel zu haben. Doch das Gegenteil war der Fall, Quasion nutzte das aus, verdoppelte seine Torausbeute und schoss Mainz zum gefühlt ersten Sieg seit dem Karriereende von Bum-Bum-Babatz. Glückwunsch.