Warum der Goretzka-Transfer eine Katastrophe für die Bundesliga ist

Ciao, Wettbewerb!

Leon Goretzka wechselt zum FC Bayern München. Das ist für Schalke 04 ein herber Verlust. Für die Bundesliga ist es ein Desaster.

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Alles neu macht der Januar, ist die Botschaft eines Neujahrsempfang. Frohsinn, Aufbruchstimmung und die Hoffnung, dass in diesem Jahr alles besser wird. Auf dem Neujahrsempfang der DFL wollte sich Christian Seifert damit aber nicht zufrieden geben. Er forderte mehr Exzellenz: »Wer heute glaubt, den Status quo verwalten zu können, wird mittelfristig scheitern. Wer sich mit Durchschnitt zufriedengibt, wird die Menschen nicht halten – er wird sie verlieren.« Er forderte die Bundesligisten dazu auf, sich nicht länger mit dem Mittelmaß zufrieden zu geben. Klar: Wettbewerb belebt das Geschäft.

Leon Goretzka, der FC Bayern München und Schalke 04 - sie alle haben diese Rede scheinbar nicht gehört.

Goretzka ist einzigartig

Am Saisonende wird sich Goretzka dem deutschen Rekordmeister ablösefrei anschließen. Das ist sein gutes Recht. Mit ihm wechselt das größte deutsche Talent, ach was, der heißeste Scheiß, der in der Bundesliga spielt, zu einem übermächtigen Verein, der für die Konkurrenz noch ein Stück uneinholbarer wird. Wer Goretzka hat spielen sehen, fühlte sich der Perfektion nah. In der Liga scheint ihm kaum jemand gewachsen zu sein. Seine Ausstrahlung, sein Bewegungsablauf, seine Verständnisse über die Abläufe des Spiels - alles ist einzigartig.

Dass der FC Bayern die größten Stars an sich bindet, ist keine Neuigkeit. Als Schalke 04 zum letzten Mal auf Augenhöhe mit den Bajuwaren war, im Frühjahr 2007, standen Oliver Kahn, Philipp Lahm, Mark van Bommel und Roy Makaay auf dem Platz. Gute Spieler, keine Frage, aber Schalke 04 war ebenbürtig. Weil auch Bayerns Kader aufgefüllt werden musste. Christian Lell, Andreas Ottl, Ali Karimi - im Ernst: die würden heute nicht einmal mehr in der U23 spielen. Mittlerweile verlässt sich der FC Bayern aber nicht auf einige herausragende Fußballer, sondern auf 28 Spieler, die bei jedem Konkurrenten mit Kusshand genommen würden.

Der Hoffnung beraubt

Und trotzdem keimte im Winter auf Schalke Hoffnung auf. Ein Trainer, der mit dem Schalker Sehnsucht umgehen kann. Ein Kader, der wettkampffähig ist. Und einen Leon Goretzka, der den Unterschied ausmacht, der einen Gegner allein an die Wand spielen kann. Endlich besser als Durchschnitt. Leon Goretzka war das Herzstück.

Der FC Bayern hat den Schalkern die Zuversicht geraubt, vorzuwerfen ist ihnen das nicht. Sie haben sich den Wettbewerb zunutze gemacht hat. Wettbewerb, das beutetet bald nur noch, wer im Mittelfeld des Meisters spielen darf. Nicht aber, wer Meister wird.

Für die Bundesliga ist das eine Niederlage. Dort die Bayern, hier der Durchschnitt. Wer der Logik von Christian Seifert folgt, weiß, was das für die Menschen bedeutet.