Warum sich Italiens Fußball nach dem nächsten Rassismuseklat dringend ändern muss

My colour

Innerhalb einer Woche sieht sich der französische Nationalspieler Blaise Matuidi zweimal rassistischen Parolen ausgesetzt. Ob der italienische Fußball ein Rassismusproblem hat? Ja. Vor allem aber kann er damit nicht umgehen.

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Er wollte es einfach nicht wahrhaben. Das war doch kein Foul! Und jetzt auch noch die Gelbe Karte? Was für eine krasse Fehlentscheidung. Er war fuchsteufelswild. Und diskutierte. Denn eigentlich war es nicht die Karte, die ihn so aufregte. Es waren die rassistischen Gesänge, die von der Tribüne kamen und noch unten auf dem Feld zu hören war. Also ging er. Hin zu den Zuschauern, die weitersangen. Und schlug immer fester auf seine Arme, dabei schreiend: »THIS IS MY COLOUR!« - Sulley Muntari hatte genug.

Ein Vorfall im italienischen Fußball, der fast ein Jahr alt ist. Und eine Entscheidung, das Feld zu verlassen, für die Sulley Muntari harsch kritisiert und am Ende sogar gesperrt wurde.

Schwache Menschen

Nun ist es Blaise Matuidi, der sich in den vergangenen Tagen den rassistischen Parolen ausgesetzt sah. Am 30. Dezember hatten ihn Fans von Hellas Verona attackiert. Der Verein erhielt daraufhin eine Geldstrafe von 20.000 Euro und ein Geisterspiel plus weitere 20.000 Euro auf Bewährung. Nur ein Tag nach der Urteilsverkündung machten die Anhänger von Cagliari Calcio gleich weiter. Matuidi ließ sich nicht irritieren, bezog nach dem Spiel aber klar Stellung: »Schwache Menschen versuchen, mich mit Hass einzuschüchtern. Ich bin kein Hasser, und es tut mir leid für diese Personen, die solch schlechte Beispiele abgeben.«

Der Verein aus Sardinien entschuldigte sich postwendend bei Matuidi. Sprach davon, dass er ein Vorbild für die Jugend sei - was man den Fans von Cagliari ja nun zweifelsfrei absprechen darf - und sowieso sei Rassismus nicht der Stil der Sarden.

Alles von vorne

Teamkollegen und weitere Fußballer sprangen Matuidi ebenfalls zur Seite. Kevin-Prince Boateng zum Beispiel: »Genug ist genug! Ich bin mit dir, Blaise Matuidi, wir müssen standhaft bleiben und den Rassismus bekämpfen - jetzt!« Auch Boateng hat Erfahrungen mit Rassismus gemacht. 2013 verließ er nach Schmährufen bei einem Testspiel den Platz, seine Mannschaft folgte ihm. »Es schien zuerst, als ob der absurde Nachmittag in Busto Arsizio Anfang Januar eine ausreichende Mahnung gewesen wäre«, schrieb die »Gazetta Dello Sport«. Dann wurde nur wenige Monate später Boatengs Teamkollege Mario Balotelli im Spiel gegen den AS Rom angegriffen. Im Punktspiel ging Milan nicht vom Platz. Und das eklige Spiel begann von neuem.