Hesses WM-Countdown (29): Qualifikations-Wirrwarr

Wer hat noch nicht, wer will gar nicht?

Heute reißen sich alle Nationen um eine WM-Teilnahme, aber das war mal anders. Im Vorfeld der WM 1966 blickte man vor lauter Boykotten und Absagen kaum noch durch.

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So, das wäre geschafft. Durch Perus 2:0-Sieg über Neuseeland in den frühen Morgenstunden des 16. November wurde auch der 32. und letzte Platz im Starterfeld der WM-Endrunde 2018 vergeben. Es mag etwas seltsam wirken, dass der Gewinner der Ozeanien-Qualifikation mehr als 20 Stunden fliegen musste, um gegen den Fünften der Südamerikagruppe das Ticket nach Russland auszuspielen, doch im Vergleich zu früheren Zeiten ist eine WM-Qualifikation heutzutage fast vernünftig, fair und feinfühlig aufgebaut.      

 

Ganz anders war das noch in den Siebzigern. In der Qualifikation zur WM 1978 in Argentinien sollten nach dem Willen der FIFA alle mittelamerikanischen Länder in einer Gruppe spielen. Das hätte bedeutet, dass Honduras und El Salvador sich nur sieben Jahre nach dem so genannten »Fußballkrieg«, der ja anlässlich von Qualifikationsspielen ausbrochen war, wieder um Punkte gestritten hätten. Dazu kam es am Ende nicht, denn Honduras zog seine Meldung empört zurück.

 

Chaotischer »World Cup«

 

Verglichen mit der WM 1966 waren diese Unstimmigkeiten jedoch nur Peanuts. Man darf getrost annehmen, dass es nie wieder ein Turnier schaffen wird, ein solches Durcheinander anzurichten wie der »World Cup« in England. In den zwei Jahren, bevor die Teilnehmer an der Endrunde endlich feststanden, dürfte der Konsum von Beruhigungsmitteln im Hauptquartier der FIFA bedenkliche Ausmaße angenommen haben.

 

Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll, um all die Kapriolen aufzulisten. Am besten vielleicht bei uns, in Europa. Da lief zwar alles noch einigermaßen geordnet ab, doch fanden sich hier auch zwei Mannschaften, die man eigentlich in anderen Kontinentalverbänden erwartet hätte: Israel und Syrien. Diese Teams hätten in Asien antreten müssen, was der FIFA aber aus politischen Gründen wenig ratsam erschien. So spielte Israel brav gegen Belgien und Bulgarien. Die Syrer hingegen spielten nicht, sondern zogen in letzter Minute ihre Meldung zurück, und zwar aus Solidarität mit den Mannschaften aus – Afrika!