Hesses WM-Countdown (37): Wie Nordkorea dafür sorgte, dass Effenberg aus der Nationalelf flog

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Japanische Fußball-Fans betrachten ein Unentschieden in Doha noch immer als Tragödie – dabei war es in Wahrheit ein Betrug.

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Im nächsten Sommer wird Japan zum sechsten Mal in Folge an einer WM-Endrunde teilnehmen. Das ist ein großer Erfolg für ein Land, das lange darauf warten musste, es endlich mal durch die Mühlen der Qualifikation zu schaffen. Erst 1998, nach vielen vergeblichen Anläufen, war es so weit: Japan fuhr zum ersten Mal zu einer WM. Allerdings muss man sagen, dass das Team die Qualifikation eigentlich schon vier Jahre zuvor geschafft hätte – wäre damals alles mit rechten Dingen zugegangen.

 

In der Qualifikation zur WM 1994 setzte sich Japan zunächst in der Asien-Vorrunden-Gruppe F gegen die Vereinigten Arabischen Emirate und drei andere Teams durch. Dadurch gelangte die Mannschaft des holländischen Trainers Hans Ooft in eine Endrundengruppe mit Südkorea, Nordkorea, Saudi-Arabien, Irak und Iran. Diese Teams spielten nun ein Turnier in Katar aus, an dessen Ende die Mannschaften auf den ersten beiden Rängen sich für die WM in den USA qualifizieren sollten.

 

Japanische Kolonialherrschaft

 

Am letzten Spieltag sicherte sich Saudi-Arabien durch ein 4:3 über den Iran die Tabellenspitze. Um den wichtigen zweiten Platz stritten nun noch Südkorea, Japan und der Irak, wobei die zwei letztgenannten Teams im Al-Ahly-Stadion der Stadt Doha direkt aufeinander trafen. Ebenfalls in Doha, nur in einem anderen Stadion, spielten zur selben Zeit die Südkoreaner. Und gegen wen wohl? Natürlich gegen den politischen Feind aus dem kommunistischen Nordkorea. Um zu verstehen, was nun geschah, muss man wissen, dass sich die zwei Länder zwar nicht grün sind, aber eine gemeinsame traumatische Erfahrung haben – die Jahre unter brutaler japanischer Kolonialherrschaft.

 

Zur Halbzeit stand es zwischen Nord und Süd in einem kampfbetonten Match 0:0. In der Pause besprachen die Nordkoreaner nun aber nicht etwa, wie man die Abwehr des Klassenfeindes knacken könnte, sondern wie sich die Lage in der Tabelle darstellte. Im Al-Ahly-Stadion, so war man informiert worden, hieß es zwischen Japan und dem Irak nach 45 Minuten 1:1. Dieses Resultat, in Verbindung mit dem Remis zwischen den beiden Koreas, hätte den Japanern gereicht, um sich den zweiten Platz zu sichern. »Wir wollten aber nicht, dass sich Japan qualifiziert«, verriet neun Jahre später Nordkoreas damaliger Trainer Myong-chan Yun.