Warum zeigt das Öffentlich-Rechtliche ein Werbeturnier?

Notruf am Abend

Am Tag des Diesel-Gipfels, bei dem die Politik mit der Autoindustrie über die Konsequenzen eines Betrugs verhandelt, überträgt die teilstaatliche ARD das Show-Turnier »Audi-Cup«. Kann man machen. Muss man aber nicht.   

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Gestern Abend um halb neun klingelt das Telefon. Meine Schwiegermutter ruft an, um zu erfahren, ob ich fernsehen würde. Nein, antworte ich, wir säßen bei dem schönen Wetter mit einem Glas Wein auf dem Balkon. Eine Schimpfkanonade am anderen Ende der Leitung bricht los. Wer, bitte, wenn nicht Leute wie ich, die ihr Geld mit Fußball verdienen, schaue sich dann dieses seltsame Spiel an, das da zu bester Sendezeit in der ARD laufe und »ihre Serie« aus dem Programm gekippt habe? Die Dame ist ganz aufgeregt und verlangt eine Erklärung. Von mir.

Ahnungslos schalte ich aufs Erste. Tatsächlich, da spielen die Bayern gegen den FC Liverpool. Das alljährliche Kirmesturnier des Autoherstellers aus Ingolstadt. Lief das sonst nicht immer bei Sport 1? Bei Sky? Oder irgendeinem RTL-Sub-Kanal. Mit anderen Worten: Bei Sendern, deren USP exakt mit diesen Inhalten angereichert wird. Die in Ermangelung attraktiver Inhalte eben auch in der Sommerpause Fußballspiele übertragen, damit sich die Einschaltquote zumindest im messbaren Bereich bewegt. Kurz: Sender, die Geld mit diesen Marginalien verdienen, um ihre Angestellten zu bezahlen.

So schwachsinnig ist die Idee gar nicht

Ich bin verwirrt. Versuche, Zeit zu gewinnen. Ich kenne die Serie nicht, die meine Schwiegermutter regelmäßig schaut. Der Titel klingt auch nicht gerade danach, als würde er in jeder Hinsicht dem öffentlich-rechtlichen Auftrag genüge tun, »zur Information, Bildung, Beratung, Kultur und Unterhaltung einen Beitrag zur Sicherung der Meinungsvielfalt« und somit zur öffentlichen Meinungsbildung beizutragen. Jedoch fallen mir ad hoc auch keine Argumente ein, warum jetzt das Showturnier eines Automobilherstellers die Ausstrahlungszeit der »Tagesthemen« verändert.

Ich lebe vom Fußball, versuche es also mal so: Das sei bestimmt eine Vernunftentscheidung der politischen Entscheidungsträger in den ARD-Gremien, um das beschädigte Image der Autokonzerne wieder in besseres Licht zu rücken. Das die deutsche Wirtschaft gerade im Begriff ist, vor die Hunde zu gehen, hat Schwiegermutter mit bekommen. Morgen sei ja schließlich »Diesel-Gipfel« in Berlin. Als ich es ausgesprochen habe, denke ich, so schwachsinnig ist die Idee gar nicht. Schließlich ist Stephan Weil, Ministerpräsident in Niedersachsen – einen Bundesland, dem ein nicht unerheblicher Teil an »Volkswagen« und damit auch an »Audi« gehört – gerade für die deutsche Schlüsselindustrie in die Bresche gesprungen, als er sagte: »Wir können ja nicht sechs Millionen Dieselfahrzeuge verbieten.«

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