Unsere letztjährigen Thesen zum Zweitligastart – und was aus ihnen wurde

Nürnberg steigt ab?

Jedes Jahr tippen wir mit unseren Zweitliga-Thesen den Verlauf der Unterhaus-Saison. Zeit also, mal nachzusehen, was wir letztes Jahr für Quatsch verzapft haben. Sagen wir so: Von fünf Thesen waren genau 0 richtig.

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These 1: Bochum steigt auf!
Aus dem grauen Mittelfeld in die glamouröse Beletage: Der VfL wird in der kommenden Saison mal so richtig für Furore sorgen. Ismail Atalan dreht an den richtigen Schrauben und findet die perfekte personelle Balance aus frech aufspielenden Eigengewächsen und kampferprobten Veteranen. Talente wie Görkem Saglam erhalten weiterhin großzügige Einsatzzeiten und machen den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung, während mit Maxim Leitsch bereits der nächste vielversprechende Localplayer ans Team herangeführt wird. Neuzugänge wie Lukas Hinterseer, Danilo Soares oder Robbie Kruse sorgen beim ersten Hinschauen nicht unbedingt für Angstschweiß auf den Stirnen weiterer Zweitligamanager. Ein tiefergehender Blick zeigt jedoch, dass diese gestandenen Profis die genau richtigen Ergänzungen zu einem im Vorjahr zu unkonstant agierenden Kader sind. Das Team kommt ohne echten Star aus, Atalan formt es zu einer Einheit, die den Gegner über Kampf und vereinzelte spielerische Geniestreiche in die Knie zwingt. Dabei trifft der 37-Jährige den Ton der Region, sorgt für eine enge Bindung zwischen Team und Fans und entfacht durch einen starken Saisonstart eine Euphorie, die das Ruhrstadion in eine uneinnehmbare Festung verwandelt. Am Ende steigt der VfL überzeugend auf – und Atalan kann sich vor gutzahlenden Interessenten kaum retten. 

Ein Jahr später: Jagut, äh. Ismail Atalan war bereits im Oktober wieder Geschichte, nach zehn Spielen und 13 Punkten. Auf Atalan folgten zunächst Jens Rasijewski, anschließend Heiko Butscher, was in etwa genau so erfolgreich klingt, wie es dann war. Als wäre die Saison nicht ohnehin schon entwürdigend genug verlaufen, musste sich der Klub dann sogar noch von Robin Dutt retten lassen. Expertentum hin oder her, aber das hat wirklich niemand voraussehen können.

Großkreutz überragt!
Was wurde nicht schon wieder geschrieben, gelacht und getratscht, als der amtierende Weltmeister beim SV Darmstadt unterschrieb. Dem Klub, der in den vergangenen Jahren immer wieder als Auffangbecken für Profis mit Karriereknick diente. Am Ende der Saison hat allerdings nur Torsten Frings gut lachen. Denn sein prominenter Schützling geht im Fußballromantiker-Umfeld rund um das Böllenfalltor noch einmal richtig auf. Die Nähe zu den Fans, die halb-maroden Umkleiden. Genau das braucht der Kevin, der in der Folge sämtliche rechte Seiten des Unterhauses umpflügt, die jungen Lillien an die Leine und in engen Spielen das Steuer in die Hand nimmt. Der SV Darmstadt wird mit dem Aufstieg wenig am Hut haben. Für Kevin Großkreutz geht das Tor zur Bundesliga dagegen wieder auf. 

Ein Jahr später: Tja, naja. Also soweit wir wissen, hat Kevin Großkreutz niemanden mit Döner beworfen, auch gibt es keine unangenehmen Storys aus irgendwelchen Hotellobbys. Das »Tor zur Bundesliga« ging für Großkreutz allerdings auch nicht unbedingt wieder auf, dafür aber ein Türchen in die Dritte Liga, und zwar nach Uerdingen, und bevor dieser Satz irgendwie noch deprimierender wird, beenden wir ihn einfach. 

Nürnberg muss runter!
Diese verflixte Relegation. Nach dem der fränkische Bundesligatraum vor zwei Jahren von Eintracht Frankfurt zu Grabe getragen wurde, deutete sich schon im vergangenen Jahr an, dass der Glubb sich umorientieren muss. Auf den tristen zwölften Platz des Vorjahres folgt nun allerdings eine rumpelige Talfahrt, an dessen Ende die Drittklassigkeit steht. Der Kader ist zwar gut besetzt, schafft es nach einem ernüchternden Saisonstart aber nicht, die Qualität auf den Rasen zu bringen. Altbekannte Probleme schleichen sich ein: Auf überzeugende Vorstellungen folgen unerklärliche Einbrüche. Das setzt dem jungen Kader, die Nürnberger sind im Durchschnitt nicht einmal 25 Jahre alt, ordentlich zu. Die Beine werden schwerer, die Torabschlüsse pessimistischer. Neu-Coach Michael Köllner verzweifelt an seinem ersten Zweitligaengagement und muss zum Winter seinen Hut nehmen. Zu dünn sind die Leistungen seines Teams. Sportdirektor Bornemann versucht das sinkende Schiff mit mehreren Transfers wieder flott zu machen. Doch es hilft nichts: Nach dem KSC muss der nächste Traditionsklub überraschend absteigen. Leider.

Ein Jahr später: 34 Spiele, 60 Punkte, Platz Zwei und 12 Punkte Vorsprung auf den vierten Platz: Nicht umsonst sagt man ja sprichwörtlich: »Der 11FREUNDE-Redakteur is a Depp«. Wir kriechen zu Kreuze und freuen uns auf den fränkischen Traditionsklub in der ersten Liga.