Warum bauen MSV-Fans ein Dorf in Tansania?

»Fußball ist sozialer Klebstoff«

Anhänger des MSV Duisburg wollen ein Kinderdorf in Tansania bauen. Es ist eines der ambitioniertesten Bauprojekte von Fußballfans. Die Gruppe erklärt den Plan.

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Holger Glücks, Ihr Verein »Zebras Active Community e.V.« möchte ein Kinderdorf in Tansania bauen. Wie kamen Sie auf diese Idee?
Ein Freund von uns ging 2004 auf Weltreise, unter anderem führte sein Weg nach Tansania. Fußball ist dort ein sozialer Klebstoff und hält die Menschen trotz der Not zusammen. Die Kinder spielten mit Schuhen, die aus Reifen geschnitzt sind. Wir haben uns daraufhin entschlossen, eine Straßenfußballmannschaft in Dar es Salaam zu unterstützen. Sie gaben sich den Namen: TanZebras FC (Tansanische Zebras). Sie entwickelte sich so gut, dass sie späterhin sogar an einem Fifa-Sichtungsturnier teilnahm. Schnell wurde uns klar, dass wir auch über den Fußball hinaus helfen wollen und haben ein dortiges Waisenhaus unterstützt. Also haben wir einmal ein Auto verschiffen lassen, damit so grundlegende Dinge wie Krankentransporte möglich sind. Dazu haben wir 15 000 Euro für notwendige Umbaumaßnahmen in diesem Waisenhaus zur Verfügung gestellt und daarüber hinaus weitere Detailhilfe geleistet.

Wie haben Sie diese Summe aufgebracht?
Allein durch Spenden. Die Fangemeinschaft des MSV Duisburg hat eine sehr soziale Ader. Allerdings merkten wir mit der Zeit, dass wir mit unserem Engagement einen anderen Ansatz finden mußten. Uns kam daher die Idee, ein Kinderdorf in Lutindi aufzubauen, das den Kindern nicht nur umsorgte Heimat bieten soll. In der geplanten dorfeigenen Schlosserei und Näherei sollen den Kindern auch handwerkliche Fähigkeiten vermittelt werden.





Das klingt sehr ambitioniert und erfordert Know-how.
Richtig, das können wir als Fans alleine nicht aufbringen. Die Finanzierung muss über Spenden aus dem Mittelstand und der Industrie laufen. Aber da sind wir auf einem guten Weg. Und wir verfügen über gute Kontakte zu Experten. So besteht eine Kooperation mit dem Hans-Sachs-Berufskolleg in Oberhausen, deren Ingenieure und Energieexperten uns planungstechnisch bei allen Gewerken unterstützen. Ein befreundeter Brüsseler Architekt hat für uns bereits einen ersten Dorfplan entworfen. Damit konnten wir den größten tansanischen Arbeitgeber, einen Teeproduzenten überzeugen. Er hat uns 41 000 Quadratmeter Land für unser Projekt überlassen.

Wie verläuft der Austausch mit den Behörden vor Ort?
Das Problem ist die Korruption, das muss man klar so sagen. Das mussten wir leidlich erfahren, als wir das Auto nach Tansania schickten. Es wurden Kosten für die Freigabe des Fahrzeugs im Hafen erfunden. Irgendwann bekamen wir die Ansage: »Entweder ihr zahlt – oder wir versteigern das Auto vor Ort.« Bei unserem Bauprojekt haben wir sichergestellt, dass wir nicht übers Ohr gehauen werden. Wir kennen den Leiter eines Hospitals vor Ort, dessen Ehefrau wir nun als Honorarkraft angestellt haben. Sie spricht die Landessprache, kennt sich mit der Kultur und der Infrastruktur bestens aus.