Warum wir heute (fast) alle Darmstadt sind

David ohne Schleuder

Der SV Darmstadt muss heute bei den Bayern gewinnen, um nicht vorzeitig abzusteigen. Warum das für die gesamte Bundesliga wünschenswert wäre.

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Sie haben keine Chance. Und sie nutzen sie. Der SV Darmstadt 98 ist eigentlich schon abgestiegen, und dann wieder doch nicht. Neun Punkte trennt die Lilien vom Relegationsplatz bei noch neun zu vergebenen Punkten in den verbleibenden drei Spielen. 

Selbst für absolute Mathematik-Legastheniker liegt also auf der Hand: Einer vor Darmstadts Rivalen um den Klassenerhalt - also Mainz, Wolfsburg oder Hamburg - darf keines seiner Spiele mehr gewinnen. Während die Lilien ihrerseits alle Spiele gewinnen müssen. 

Das leichteste Spiel des Jahres? Eben nicht!

Das gleicht an sich schon der Quadratur des Kreises und wird umso schwerer, da es für die Mannschaft von Torsten Frings heute zum Auswärtsspiel nach München geht. Das Gastspiel bei den Bayern gilt zwar gemeinhin als das leichteste Spiel des Jahres, weil es, so die landläufige Meinung, ja nichts zu verlieren gibt. Aber genau das stimmt für Darmstadt in diesem Fall eben nicht.

»Da müssten wir eigentlich 0:18 verlieren«, sagte Darmstadts Präsident Rüdiger Fritsch im Vorfeld des ungleichen Duells, und weiter: »Da treffen 25 Millionen auf weit über 300 Millionen.« Es ist, als würde David gegen Goliath antreten. Nur ohne Schleuder. 

Hoffnung auf zerwürfelte Bayern

Bleibt also lediglich die Hoffnung auf ein Wunder. Darauf, dass die Bayern nach ihrem Single-Gewinn, ohne jede weitere Ambition einen vorgezogenen Sommerkick in den Nachmittag stellen. Darauf, dass sie ihre Stammkräfte schonen, um dem lange Zeit vernachlässigten B-Personal ein bisschen vom Startelf-Zucker schlecken zu lassen. Darauf, dass diese dann zusammengewürfelte Bayern-Elf nicht recht zusammen findet, gegen ein Darmstadt, das sich in den vergangenen Wochen durch drei Siege in Folge nicht nur Selbstbewusstsein eingeflößt hat, sondern auch gefunden hat.