Warum es so großartig wäre, wenn Frankfurt endlich mal einen Titel holen würde

Die Einmal-alle-zwanzig-Jahre-Chance

Unser Autor ist seit 27 Jahren Eintracht-Fan und hat noch nie einen Titelgewinn erlebt. Zeit, dass sich das ändert. 

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Während des Studiums ging ich zum Fußball gucken ab und an in eine Kneipe in der Nähe meiner WG. Die »Nordschänke« hatte alles, was eine ordentliche Fußballkneipe so liebenswert macht: Diesige Luft, günstiges Bier, an der Theke dämmrige Menschen, die sich zumeist mit Grunzlauten verständigten. Der Himmel. 

Um neuen Gästen, die es praktisch nicht gab, schon beim Betreten klarzumachen, dass sie in einer Fußballkneipe gelandet waren, waren rund um den selbstverständlich holzvertäfelten Tresen Wimpel aller Bundesligisten angebracht. Dem Gelbstich nach mussten sie etwa aus den frühen Neunzigern stammen, wie alles andere in der Kneipe eigentlich auch, wahrscheinlich selbst die Topfschwämme. Und während die Wimpel der übrigen Bundesligisten - Bayern, Dortmund, selbst Kaiserslautern - vor lauter Titeln nur so strotzten, stand auf jenem der Eintracht lediglich: Fuji-Cup-Sieger 1992. Juhu. 

Der Fuji-Cup als einziger Titel des Fan-Daseins

Immer wenn die Eintracht seither im Pokal mal überraschend weit kommt oder ich mit einer schweren Grippe und Fieberträumen im Bett liege, während die SGE zufällig auf dem dritten Tabellenplatz steht, muss ich an diesen Wimpel denken. 1992, das Jahr, des (übrigens einzigens) Fuji-Cup-Triumphes der Eintracht, ist schließlich auch jenes Jahr, in dem sie hätte Meister werden sollen, wäre da nicht dieses blöde Spiel in Rostock gewesen. Das macht den Fuji-Cup zum einzigen Titel, den ich in meiner Fan-Karriere je erlebt habe, auch wenn ich mich beim besten Willen nicht an irgendwelche Fuji-Cup-Feierlichkeiten am Frankfurter Römer erinneren kann. Was aber natürlich eher an der absoluten Nicht-Relevanz liegt, die der Cup damals schon hatte.

Und selbstverständlich ist das alles eine große Schweinerei. 1988, beim letzten DFB-Pokalsieg, war ich erst vier und damit zu jung. 2006, bei der letzten Finalteilnahme, kamen mir Claudio Pizarro und Oli Kahn in die Quere, was beinahe zu einer Schlägerei mit meinem damaligen Bayernfan-Mitbewohner geführt hätte. Klar: Man guckt ja nicht wegen der Titel Fußball. Und sicher gibt es Klubs, die schlechter dran sind als die Eintracht, und die auch länger nichts gewonnen haben. Aber für SGE-Fans, die wie ich in den frühen Neunzigern ihr Herz an die Eintracht verloren, fühlt es sich so an: Mit Fußball 2000, Tony Yeboah, Uwe Bein, Jay-Jay Okocha usw. hat einem der Klub ein Versprechen gegeben, auf dessen Einlösung man noch immer wartet.