Warum Martin Hinteregger in Augsburg der Chef ist

Mit Martin auf der Jagd

Martin Hinteregger hätte den leichten Weg gehen und von RB Salzburg zu RB Leipzig wechseln können wie so viele andere vor ihm. Doch im Sommer 2016 entschied er sich für den FC Augsburg. Wo er als Abwehrchef den Abstieg verhindern soll.

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Liebhaber von Geschichten, die nur der Fußball schreibt, dürfte vor Freude das Kicker-Fußballfloskeln-Lexikon aus der Hand gefallen sein: Wir schreiben den dritten März, Freitagabend, Bundesligaspiel zwischen Augsburg und Leipzig. Die Leipziger - zwar Aufsteiger, aber trotzdem nur halbüberraschend Tabellenzweiter - führen auswärts mit 2:1. Es ist noch eine knappe halbe Stunde zu spielen und normalerweise würden sie jetzt noch auf drei, vier Konter lauern, davon einen oder zwei nutzen und 4:1 gewinnen. 



Aber normalerweise sprintet ein gegnerischer Innenverteidiger auch nicht mitten im Spiel mit nach vorne, so wie es Augsburg Abwehrchef Martin Hinteregger jetzt macht. 40 Meter vor dem Tor kommt er an den Ball, spielt ihn weiter auf seinen Kollegen Jan Moravek und rennt dann weiter stur geradeaus. Vielleicht ahnt er, dass der Ball gleich in noch besserer Position zu ihm zurückspringen wird. Als es soweit ist, nimmt er ihn mit dem schwächeren rechten Fuß mit in den Strafraum und ballert ihn dann mit links ins kurze Eck. Ausgleich, 2:2, am Ende ein unverhoffter Punkt gegen den Abstieg. Und das so wichtige Tor ausgerechnet erzielt von Martin Hinteregger. Geschichten, die nur der Fußball schreibt.

»Es hätte nicht so weit kommen dürfen«

War es ein paar Monate zuvor doch Hinteregger gewesen, der dem Dosenklub nicht nur abgesagt, sondern diese Absage auch noch mit kritischen Worten in Richtung Leipzig untermauert hatte. Der Österreicher, damals selber noch Red-Bull-Angestellter in Salzburg, hatte schlicht keine Lust, als nächster Salzburger von Ralf Rangnick nach Leipzig delegiert zu werden. »Das ist für mich eine Respektsache, dass ich nicht nach Leipzig gewechselt bin. Es hätte nie so weit kommen dürfen, dass sich der Verein einfach aus Salzburg nimmt, was er braucht.« Die Tatsache, dass sich sein Heimatverein - Hinteregger stieß bereits im zarten Alter von 14 Jahren zu Red Bull - nach und nach zum Ausbildungsverein für den Ableger in Leipzig entwickelt hatte, ging dem Österreicher gehörig gegen den Strich.



Also wechselte er im Sommer 2016 lieber nach Augsburg. Und versuchte sich damit ein zweites Mal in der Bundesliga. Bereits ein halbes Jahr zuvor, also im Januar 2016, war er von Salzburg nach Gladbach ausgeliehen worden, doch hatte sich ob der starken Konkurrenz und seiner damals noch fahrigen Spielweise nicht durchsetzen können. In Augsburg galt er dagegen von Anfang an als gesetzt.