Javier Pinola wurde wirklich für Argentinien nominiert

Fanatiker

Mit 34 Jahren könnte Javier Pinola heute Nacht sein drittes Länderspiel bestreiten. Sind die denn völlig verrückt geworden in Argentinien? Nein. Die Würdigung einer Legende.

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2008, als der 1. FC Nürnberg gerade den Gang in die Zweitklassigkeit gehen musste, wurden kurzerhand die Litfaßsäulen der Stadt volltapeziert: »Pinola muss bleiben – Pino, Du bist der Club«. Als ihr Verein vor dem Abgrund stand, machten sich per Unterschriftenaktion insgesamt 22.500 Fans vor allem darum Sorgen, dass ihr Volksheld sie verlassen könnte. Javier Pinola.

Und das natürlich völlig zurecht. Schließlich hatte der Verteidiger mit seiner rustikalen Spielweise die Herzen aller Nürnberger im Sturm erobert. Wenn er aus dem Spielertunnel kam, hatte es den Anschein, als hätte Pinola gerade eine Badewanne mit argentinischem Kälberblut verlassen. Auf dem Platz machte er schon lange keine Gefangenen mehr.

Mal schneidet ein Mann, mal eine Frau

Das führte zu zahlreichen Gelbsperren, zu einem Spuckskandal gegen Bastian Schweinsteiger und noch mehr Liebe aus der Kurve. Daheim in Nürnberg wurde Pinola gefeiert. Dank seines Einsatzes. Dank seines Gerechtigkeitssinns. Dank der »Frisur«, dem weltweit einzigen Glatzenvokuhila. Oder wie er es selbst erklärte: »Ich brauche nicht lange beim Friseur. Fünf bis zehn Minuten maximal. Ich habe einen Stammfriseur bei mir um die Ecke, da schneidet mir mal ein Mann, mal eine Frau die Haare.«

Ihm zu Ehren wurde der Block 31 im Frankenstadion umbenannt. Und ein weibliches Schabrackentapir im Nürnberger Zoo hört auf den Namen »Pinola«.

Schmerzhafter Schienbeinbruch

Ihr Namensgeber spielt mittlerweile in der Heimat bei Rosario Central in der 1. argentinischen Liga. Kahlrasiert und mit Bart. Und mit großem Erfolg. Nun wurde er für die argentinische Nationalmannschaft vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Bolivien nachnominiert. Und das nicht zum ersten Mal: bereits vor einem Jahr bestritt Pinola 90 Minuten als Innenverteidiger der Albiceleste gegen Bolivien. Weitere Einsätze für Tata Martino verhinderte ein schmerzhafter Bruch seines Schienbeins.