Heung-Min Son in Tottenham

Schlecht beratener Kindheitstraum

Sein Wechsel ließ Leverkusen verärgert zurück. Zumal er sich bei Tottenham zunächst nicht durchzusetzen schien. Doch inzwischen ist Heung-Min Son zum Leistungsträger aufgestiegen. Das liegt auch daran, dass die Spurs besonders in einer Frage anders reagierten als Bayer.

imago

Wenn in Leverkusen die Rauchentwicklung temporär größer ist als durch die Schornsteine des Bayer-Werks ohnehin schon, dann hängt das häufig damit zusammen, dass Rudi Völler etwas nicht in den Kram passt. Doch nicht nur der Kopf des Sportschefs von Bayer Leverkusen qualmt ab und an vor Ärger. Im Sommer 2015 sorgte das gesamte Personal der Werkself für erhöhte Smog-Werte, als Heung-Min Son den Verein verließ und sich Tottenham Hotspur anschloss.

»Das mit Sonny ist eine traurige Entscheidung. Ich hätte mir gewünscht, dass es anders gelaufen wäre«, sagte Trainer Roger Schmidt. »Die ganze Mannschaft ist ziemlich enttäuscht«, sagte Mittelfeldspieler Hakan Calhanoglu. Und Kult-Manager Rainer Calmund polterte: »Wer sich mit 23 Jahren so von seinem Papa leiten lässt und vor dem wichtigsten Spiel des Jahres gegen die Bayern seinen Klub um freie Tage bittet, der hat den Schuss nicht gehört.«

Warum schlecht beraten?

Calhanoglu und Schmidt schlugen in dieselbe Kerbe und attestierten Son eine schlechte Beratung. Aber warum eigentlich? Schließlich schafften sie es, den Offensivkünstler für viel Geld in die von ihm so geliebte Premier League zu transferieren. 30 Millionen Euro heimste Leverkusen ein und Son erfüllte sich seinen »Kindheitstraum« von der Insel. Ein gutes Geschäft für alle Beteiligten. Wäre da nicht dieser von Calmund angesprochene, unverschämt ungünstige Zeitpunkt. 

Als sich der Wechsel anbahnte, befand sich Bayer gerade in der wichtigsten Phase der Saison. Und das eine Woche nach Saisonstart. Nicht nur, weil die Bayern warteten. Vielmehr stand das Rückspiel der Champions-League-Qualifikation gegen Lazio Rom vor der Tür, als sich Son für zwei Tage abmeldete, um in London sein neues Arbeitspapier zu verhandeln. Bayer musste eine 0:1-Niederlage aus dem Hinspiel, in dem Son eine Halbzeit lang spielte, zu Hause wettmachen, um im Millionenspiel Königsklasse mitmischen zu dürfen. 

Die Herausforderung wurde gemeistert, Bayer gewann auch ohne Son 3:0 und qualifizierte sich für die Gruppenphase. Son dagegen spielte mit Tottenham in der Europa League. Nicht nur deshalb hallte der Ärger über den unwürdigen Abgang eines geschätzten Mitspielers im Anschluss nach. Auch heute, wenn Son erstmals in die BayArena zurückkehrt, dürfte der Rauch noch nicht verflogen sein.