Die Lehren des Spieltags (7)

The Life of Birds

Damit ihr auch am Sonntag mitreden könnt: die fünf Lehren der gestrigen Samstagskonferenz.

imago

The Life of Birds

Es wird wieder kalt in deutschen Strafräumen. Die Zugvögel ziehen langsam Richtung Süden, nach unten, wo es wärmer ist. Und Sir David Attenborough packt seine 35mm-Kamera ein und kommentiert kopfschüttelnd das Verhalten deutscher Flugschwalben. Ernsthaft: Bei der unersättlichen Diskussion um »weiche Spieler« und »schöne Männerzweikämpfe« war die Samstagskonferenz kaum noch auszuhalten. Da wurden Elfmeter gepfiffen, deren Fouls vor dem Strafraum begannen (in Mönchengladbach und Köln). Minimalste Kontakte zum Schinden eines Strafstoßes genutzt (in Mönchengladbach und folgenlos durch Niederlechner in Hoffenheim). Während die klarsten Fouls (in Hoffenheim und Köln) vogelwild übersehen wurden.

 

Natürlich ist die Diskussion müßig. Nicklige Szenen hat es im Fußball immer gegeben und den Diver hat nicht einmal Jürgen Klinsmann erfunden. Jede Mannschaft erhält im Saisonverlauf ihre Vor- und Nachteile. Trotzdem sind die Fehlentscheidungen und vor allem deren theatralischen Provokationen nicht mehr aushaltbar. Kleine Szenen, wie Sandro Wagner als sterbender Schwan im Hoffenheimer Strafraum bis zur plötzlichen Wiedergeburt als Teamkollege Kevin Vogt den Ball von der Linie und in seine Richtung kratzte, machen die Spiele und Spieler zurzeit unglaubwürdig. Die anschließenden Sezierungen und Diskussionen nehmen den restlichen Spaß. Das hätte auch Mister Attenborough nicht schönreden können.

 

 

Standfest bleiben

Den schwärzesten Peter am siebten Spieltag zog der FC Ingolstadt. Das 0:1 nach einer leichten Abseitsposition und der geilsten Ballannahme seit Dennis Bergkamp, nachdem Almog Cohen vorher nur die Latte getroffen hatte. Ein hochdiskutabler Elfmeterpfiff vor dem 0:2. Ein ausbleibender Elfmeter nach klarem Foul in der zweiten Halbzeit. Auch wenn der 1. FC Köln die bessere Mannschaft stellte, in den kleinen Szenen, den 50:50-Situationen, verfolgte den Tabellenletzten Ingolstadt das Pech. Trainer Markus Kauczinski wartet deshalb weiterhin auf den ersten Saisonsieg.

 

Umso besser, dass sich Spieler und Vorstand nach der sechsten Saisonniederlage, inmitten des Kölner Jubelorkans, unaufgeregt hinter den Trainer stellten. Vielleicht weil jeder wusste, dass die Ingolstädter ein gutes Spiel gezeigt hatten. Vielleicht weil jeder weiß, dass diese Coolness noch zum Ass im Abstiegskampf werden könnte. Also bitte weitermachen, irgendwann fällt der Würfel in die andere Richtung.

 

Oh je!

Das kollektive Aufstöhnen aus Gelsenkirchen-Buer war noch in Augsburg zu hören, als Schalkes Breel Embolo rüde von Konstantinos Stafylidis gefoult wurde und anschließend mit schmerzverzerrtem Gesicht auf der Trage lag. Mit Verdacht auf einen Bruch des Sprunggelenks ist dieser Unfall nicht nur persönlich tragisch, sondern auch ein Drama für die Königsblauen.

Jan-Klaas Huntelaar zeigte nach seiner Einwechslung keine Argumente, weshalb es mit ihm besser laufen sollte. Stattdessen spielte Schalke ideen- und kraftlos. Nur ein geglückter Fernschuss von Nabil Bentaleb sorgte für ein Positiverlebnis. Lediglich der eingewechselte Yevhen Konoplyanka zeigte in Ansätzen, wer Embolos Torgefahr ersetzen könnte. Die Verletzung des Schweizers ist für Schalke der schwerste Schlag seit Saisonbeginn.