Martin Harnik über 96 und China

»Ich will mich nicht in einem goldenen Palast verstecken«

Martin Harnik sagt, wenn ihm etwas »auf den Sack geht«. Im Interview spricht er über seinen Wechsel zu 96, einen Porsche im Abstiegskampf und Luftverschmutzung in China.  

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Herr Harnik, was essen Sie am liebsten? 
Italienisch. Auch bei einem guten Stück Rind sage ich nicht Nein.

Mike Frantz vom SC Freiburg hat uns einmal erzählt, dass sie beide sich im Urlaub zufällig am Buffet getroffen haben. 
Das war schon witzig. Wir haben uns im Sommer 2012 in Miami getroffen. Wir kannten uns natürlich vom Platz und hatten ein paar Berührungspunkte über ehemalige Mitspieler. Zum Beispiel Christian Weber, der damals mit mir bei Fortuna Düsseldorf spielte. Was ich noch weiß: Wir sind in dieser Woche Miami ein wenig dem amerikanischen Fast Food verfallen, da wir beide Burger mögen. Ausgeartet ist das natürlich nicht, da ist man zu sehr Profi.

Zu welchen anderen Fußballprofis abseits von Hannover 96 haben Sie Kontakt?
Max Kruse ist einer meiner besten Kumpels. Wir kennen uns seit fünfzehn Jahren und spielten schon in der Jugend zusammen im gleichen Verein. 

Max Kruse stand öffentlich in heftiger Kritik. Wie reagiert man da als Freund und Kollege?
Wenn man sich so lange kennt und versteht, lassen einen solche Themen selbstverständlich nicht kalt. Wir haben darüber gesprochen, und ich habe versucht, ihm in so einer Phase Halt zu geben. Letzten Endes steht man der ganzen Sache aber machtlos gegenüber.

Erich Kästner hat einmal gesagt: »Wenn man genug Geld hat, stellt sich der gute Ruf ganz von selbst ein.« Machen die Gehälter Fußballprofis generell angreifbarer?
Ganz klares Ja, ich habe das selber hautnah mitbekommen. Das beste Beispiel war die Empörung über meinen Porsche-Kauf, als ich mit dem VfB Stuttgart mitten im Abstiegskampf steckte. Die Boulevardpresse machte daraus ein Riesenthema, verschwieg aber, dass ich den Wagen ein Jahr vorher bestellt hatte. Hätten wir zu diesem Zeitpunkt um die Europa League mitgespielt, hätte sich kein Schwein dafür interessiert. So war ich der Buhmann für den ganzen VfB-Anhang. Ich verstehe das Geschäft natürlich und die Reaktionen kamen für mich nicht überraschend. Trotzdem befindet man sich plötzlich in einer Situation, in der man sich für etwas schämen muss, was man sich Jahre zuvor erarbeitet hat.

Was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie heute an den VfB denken?
Natürlich ist es so, dass der Abstieg der absolute Super-GAU war und er für mich und meine Karriere jetzt dazugehört. Wenn man aber etwas mehr darüber nachdenkt und zurückblickt, dann hatte ich ziemlich gute Jahre beim VfB. Dort bin ich zum Bundesliga-Profi gereift, habe viele Tore geschossen (68 in 216 Pflichtspielen; Anm. d. Red.) und konnte mir einen Namen machen. So wurde ich auch der, der hier heute sitzt.

Nach einem Spiel des VfB sagten Sie im Interview: »Der Trainer ging mir die ganze Zeit auf den Sack« Huub Stevens hatte Sie während des Spiels offenbar zu oft nach Ihrem körperlichen Zustand gefragt. Was geht Ihnen am modernen Fußball »am meisten auf den Sack?«
Mich stört, dass man sich in der Öffentlichkeit nicht einig ist, was man eigentlich will. Auf der einen Seite kommt alle paar Monate wieder die Debatte »Typen« auf den Tisch, dass es keine Typen à la Effenberg mehr gibt. Auf der anderen Seite muss jeder Profi aber aalglatt sein und darf keine Fehler haben. Ich kann nicht beurteilen, wie das vor dreißig Jahren war, aber ich glaube, das hat damals die Leute nicht so interessiert. Und wenn man dann mal Typ ist oder mal Kanten hat und sagt »Der Trainer ging mir auf den Sack“, dann gibt es direkt zwei Meinungslager. Die einen sind froh, dass endlich mal jemand keine üblichen Phrasen schmettert, die anderen werfen einem sofort Respektlosigkeit vor. Und das, obwohl es der Trainer richtig aufgenommen hat, und es selbst überhaupt nicht als respektlos empfindet.