David Jarolim über den tschechischen Fußball

»Mein Vater will immer offensiv spielen«

Er kennt den tschechischen Nationaltrainer besser als jeder andere. David Jarolim spricht im Interview über seinen Vater, Pavel Nedved und eine Zukunft beim HSV.

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Herr Jarolim, ihr Vater Karel sagte als Trainer der tschechischen Nationalmannschaft über die deutsche Auswahl: »Es regt mich auf, wie gut die sind.« Warum regt ihn das so auf?
Deutschland hat einfach keine richtige Schwäche. Bei der Analyse versucht man immer etwas zu finden, mit dem man den Gegner überraschen und schlagen kann. Je mehr Spiele er sich angesehen hat, desto  schwieriger war es für ihn, Schwachstellen zu finden.

1996 stand Tschechien mit Deutschland noch gemeinsam im EM-Finale, mittlerweile ist der Leistungsunterschied doch deutlich. Klingt da auch etwas Neid durch? 
Neid nicht, aber Respekt. Tschechien ist aber auch ein viel kleineres Land als Deutschland. Die Auswahl an Spielern ist viel größer.

Wann hat Deutschland die tschechische Elf abgehängt?
Deutschland hat nach der EM 2004 auch seine Probleme gehabt. Damals haben wir sie geschlagen und sie sind in der Vorrunde ausgeschieden. Seitdem hat sich Deutschland aber weiterentwickelt. Meine Generation rund um Spieler wie Jankulovski, Ujfalusi oder Baros ist damals U21-Vizeeuropameister geworden, zwei Jahre später hat die U21 die EM gewonnen. Diese Spieler haben anschließend in großen Ligen gespielt. Und wenn man sich heute umschaut, dann findet man keinen tschechischen Spieler mehr in einem europäischen Top-Klub.

Auch die letzte EM im Sommer verlief eher enttäuschend für Tschechien. Trainer Vrba trat im Anschluss zurück, Ihr Vater übernahm im Sommer. Hat sich in dieser kurzen Zeit schon etwas getan?
Du hast schon eine Vorstellung von seiner eigenen Idee. Auch wenn es gegen Deutschland ein anderes Spiel wird. Mein Vater will immer offensiv spielen. Egal wo er bisher war, seine Teams versprachen immer viele Tore und kreierten Chancen. Das konnte man vor allem beim Freundschaftsspiel gegen Armenien erkennen, das wir 3:0 gewonnen haben. Das 0:0 danach gegen Nordirland war dann eher unglücklich.

In den letzten Zügen ihrer aktiven Karriere spielten sie unter Ihrem Vater für Mlada Boleslav in Tschechien. Wie ist das, vom eigenen Vater trainiert zu werden?
Mein Vater hat mich im letzten halben Jahr meiner Profikarriere trainiert, da war ich schon 35 und sehr erfahren. Die Zusammenarbeit war sehr gut. Er war schon immer bekannt als harter Hund, der viel Wert auf Disziplin legt und ich hatte kein Problem damit, weil ich das aus Deutschland gewohnt war. In Tschechien ist das nicht immer so. Wir hatten ein gutes Verhältnis.