Wie ein Trainerwechsel in der Bundesliga einen Domino-Effekt auslöste

»Es ging uns um die Wertschätzung der Amateurvereine«

Durch ein kurioses Trainer-Domino verlor der Oberligist Wedeler TSV seinen Trainer. Schuld daran ist Schalke 04. Nach einer Mail von Wedels sportlichem Leiter Frank Ockens gab es Bier als Entschädigung.  

imago

Frank Ockens, wann ist Ihnen aufgefallen, dass Sie Ihren Trainer verloren haben, weil Christian Heidel mit der Verpflichtung von Markus Weinzierl einen Dominoeffekt ausgelöst hat?
Zunächst habe ich die Wechsel von Weinzierl zu Schalke und Dirk Schuster zu Augsburg verfolgt. Und ich habe gesehen, dass Rüdiger Rehm zu Bielefeld gegangen ist und Oliver Zapel zu Großaspach. Schlussendlich hat dann der SV Eichede unseren Trainer Jörn Großkopf angefragt, den wir haben ziehen lassen, weil wir ihm die Chance in der Regionalliga nicht verbauen wollten. Dass aber alle Wechsel miteinander zusammenhängen, habe ich erst durch einen Artikel erfahren, in dem unser Wappen abgebildet war.

Und dann hatten Sie sofort die Idee, Christian Heidel eine Mail zu schreiben?
Ja. Zuerst wollte ich noch bis zum dritten oder vierten Spieltag warten, da ich die Hoffnung hatte, dass die Laune bei den Herrschaften besser ist, wenn Schalke gut in die Saison startet. Aber dann hat die FAZ den Fall öffentlich gemacht und ich habe diesen Artikel als Anstoß genutzt, um Heidel noch vor dem ersten Spieltag zu schreiben. Und das war im Nachhinein gut, denn nach den drei Niederlagen hätte er wahrscheinlich gar nicht reagiert. (Lacht.)

Fiel es Ihnen schwer, diese Mail zu verfassen?
Überhaupt nicht. Hauptberuflich handele ich mit Golf-Carts und beliefere auch Schalke, sodass ich schon häufiger Kontakt mit dem Verein hatte. Dadurch war mir auch das E-Mail-Raster bekannt und ich habe darauf vertraut, dass Heidels Mailadresse genauso aufgebaut ist. 

Was haben Sie in der Mail geschrieben?
In der Mail konnte ich Herrn Heidel den Spiegel vors Gesicht halten und sagen: »Sei mal ehrlich, vor 24 Jahren hättest du an meiner Stelle genauso reagiert. Jetzt bist du da oben und ich hier unten, aber besinn dich mal zurück.« Ich habe ihm vorgeschlagen, dass Schalke mal zu einem Vorbereitungskick kommen könnte oder wir einen Besuch in die Arena und ein paar Kisten Bier spendiert bekommen. 

Wie lange hat es gedauert, bis Sie eine Antwort erhalten haben?
Einen Tag. Ich habe an einem Donnerstag die Mail geschrieben und Freitag hatte ich eine Antwort. Heidel hat mir gesagt, dass zu unserem Heimspiel am Sonntag ein LKW mit Bier käme und wir zusätzlich Freikarten für ein Spiel in der Arena in Gelsenkirchen erhalten. 

Und die Kisten Bier sind angekommen?
Am Sonntag um 16 Uhr stand in der Tat ein LKW mit 16 Kisten Bier auf unserer Anlage. Ich hätte nicht gedacht, dass er das so schnell organisieren kann.