Kuriose Spielabsagen

»Ein einzigartiger Witz!«

Schweinegrippe in Montpellier, Hans Meyer mit Schaufel und Kochsalz, Friedhelm Funkel und Madonna – angesagte Geschichten über abgesagte Spiele.

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Februar 1976
Etwas unbeherrscht reagierten Anhänger von Arminia Bielefeld, als Anfang Februar 1976 kurzfristig das Achtelfinal-Spiel im DFB-Pokal gegen den Zweitliga-Konkurrenten von Röchling Völklingen abgesagt wurde. Kurz nachdem Schiedsrichter Jürgen Walther aus Würzburg das Spielfeld als zu vereist eingestuft und die Zuschauer nach Hause geschickt hatte, stürzten wütende Arminen ein Kassenhäuschen um, schmissen Mülltonnen auf die Straße und zertraten ein paar Bänke. Die Polizei stoppte später den Sonderzug und nahm zwei Fans fest. Zu allem Übel verlor Arminia das Wiederholungsspiel zehn Tage später mit 0:1.

August 1977
Am 13. August 1977 warteten 40.000 BVB-Fans auf den Beginn des Spiels zwischen der Borussia und dem MSV Duisburg. Um exakt 15:27 Uhr gab Stadionsprecher Jürgen Prägla bekannt, dass die Begegnung nicht stattfinden würde. Drei Minuten vor dem Anpfiff. Wieder stand dabei Schiri Walther aus Würzburg im Rampenlicht. In den 30 Stunden vor dem Spiel waren immer wieder schwerste Schauer über Dortmund niedergegangen; es fielen etwa 20 Liter Regen pro Quadratmeter. Der brandneue und 700.000 Mark teure Rasen war in einem so schlechten Zustand, dass Erich Rüttel, Stadtdezernent für Sport und geistiger Vater des Westfalenstadions, am Morgen des Spieltags auf eine Absage der Partie drängte. Doch Walther wollte noch warten. Der Schiedsrichter fragte beide Trainer, Dortmunds Otto Rehhagel und Duisburgs Otto Knefler, nach ihrer Meinung, aber die zwei überließen dem Unparteiischen die Entscheidung. Um 14:50 Uhr entschloss der sich, das Spiel wie geplant anzupfeifen. Prompt folgten die nächsten Regengüsse. Als die Mannschaften den Rasen betraten, um sich aufzuwärmen, stapften sie durch riesige Pfützen. Aber erst als die Teams wieder in der Kabine waren und sich zum Einlaufen bereitmachten, hatte Walther endlich ein Einsehen und sagte das Spiel ab. Es ist die bis heute kurzfristigste Absage einer Bundesligapartie – 180 Sekunden vor dem Anstoß.

Dezember 1981
Und wieder Dortmund. Weil die Stadt zum damaligen Zeitpunkt mit 15 Prozent die höchste Arbeitslosenquote in (West)-Deutschland hatte, kam BVB-Präsident Reinhard Rauball auf die Idee, ein Benefizspiel zugunsten der Arbeitslosen zu veranstalten. Ein Mann mit dem wundervollen Namen Ehrenfried Kubzik, damals Leiter des Dortmunder Arbeitsamtes, mimte den Spielverderber. Man könne die zu erwartenden Einnahmen des Spiels, etwa 500.000 DM, zwar annehmen, aber lediglich als »vermischte Einnahmen« deklarieren und ganz sicher nicht unter den Arbeitslosen verteilen. Kubziks Vorschlag, das Spiel lieber in Zusammenarbeit mit karitativen Organisationen der Stadt zu veranstalten, wollte wiederum der BVB nicht. Das Spiel kam nie zustanden, Kubzik erhielt anschließend Drohanrufe aus dem gesamten Land.

August 1987
Fußball im Zeichen des Kalten Krieges: im März und August 1987 wollte die deutsche Nationalmannschaft eigentlich zu zwei Freundschaftsspielen gegen die Auswahl der Sowjetunion anreisen, beide Partien wurden jedoch abgesagt. Offizielle Begründung: Probleme mit dem internationalen Terminkalender. Man kennt das.