Unsere Fanaktion des Jahres

#greenwhitewonderwall

Klar, als Stadionsprecher von Werder Bremen ist Arnd Zeigler hier parteiisch. Aber genau darum geht es: Wie man auf richtige Weise parteiisch ist, wenn die Dinge schlecht stehen. Unser Preis für die Fanaktion des Jahres geht an die Anhänger aus Bremen.

imago
Heft: #
176

Wenn es mal nicht so läuft, hat man als Fan eines Vereins mannigfaltige Möglichkeiten, mit denen man auf die Misere reagieren kann. Am üblichsten sind negative Tools, um den Spielern mal so richtig zu zeigen, wie sehr man die Schnauze voll hat von ihrem Gestümpere und Misserfolgen. Mancherorts sind Busblockaden ermüdend obligatorisch geworden. Oder Spieler werden von einem Teil der Fans wie dressierte Äffchen an den Zaun befohlen, um sich dort einmal so richtig demütigen zu lassen.

Der uralte Fan-Traum

Nur: Macht das irgendwas besser? Nein! Und genau hier hat die Fan-Initiative greenwhitewonderwall angesetzt. Aus dem Lager engagierter Fans von Werder Bremen schaffte die gute Idee den Weg von den sozialen Netzwerken in den eigenen Block des Weserstadions, von dort ins gesamte Stadion und weiter in die ganze, schon bald kopfstehende Stadt und weiter ins staunende Fußballdeutschland. Denn greenwhitewonderwall erfüllt einen uralten Fan-Traum. Der englische Autor Nick Hornby hat ihn in »Fever Pitch« so formuliert: »Für diese paar Minuten bist du der Mittelpunkt der Welt. Und die Tatsache, dass du dabei bist, dass der Krach, den du gemacht hast, ein so wichtiger Teil des Ganzen war, das macht es so besonders. Du warst genauso wichtig wie die Spieler auf dem Platz.«



Nun täte man den Spielern und dem Trainer Unrecht, würde man die Rettung vor dem Abstieg komplett den Werder-Fans zuschreiben. Werder Bremen hat sich selbst gerettet. Aber eben GANZ Werder Bremen: die Spieler, der Trainer und die Fans. Sie haben damit auch einen Präzedenzfall geschaffen, was möglich werden kann, wenn eine Mannschaft von ihren Fans auf einer Woge aufrichtiger, tiefer Unterstützung getragen wird. Von den Bremer Spielern ist überliefert, dass sie bei der Anfahrt zum Stadion vor den letzten Heimspielen eine Gänsehaut vom anderen Stern erlebten. Die meisten der angeblich so abgezockten Profis filmten gerührt aus dem Mannschaftsbus heraus, wie die Fans sie empfingen. Und dazu passend spielte die Mannschaft auch.

Für Romantiker

Selbstverständlich lassen sich Aktionen wie diese nicht beliebig reproduzieren. Aber der Romantiker in mir sagt: Wenn alle Fans jedes Vereins es in Zukunft hinbekämen, ihre Mannschaft genau so zu tragen, wie Werders Fans es getan haben, dann würde jeder Spieler sich auf dem Rasen wohler fühlen. Und wohl auch besser spielen, als wenn er von den eigenen Fans gleichgültig oder gar feindselig begrüßt wird. So ist diese Fan-Aktion greenwhitewonderwall schon jetzt historisch, als Inbegriff einer durch und durch positiven Fan-Bewegung.