Holt Messi endlich seinen ersten Titel im Nationaltrikot?

Es war einmal in Amerika

Chile schlug Mexiko mit 7:0, die USA ließen sich von Argentinien vorführen und Halbzeitpausen dauerten schon mal zwei Stunden. Rückblick auf eine wilde Copa America.

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Das Turnier begann schleppend. In den ersten fünf Spielen fielen nur vier Tore. Und Außenstehende wunderten sich wohl, weshalb sie die Jubiläums-Copa, die zum ersten Mal in den USA stattfand, überhaupt verfolgen sollten. Zumal zur gleichen Zeit eine Europameisterschaft startete, die für gewöhnlich Fußball auf höherem Niveau bietet.

Die südamerikanischen Teams haben sich stark dem europäischen Stil angepasst, was nicht nur an der hohen Legionärsquote liegt. Taktisch gibt es immer weniger Unterschiede. Die Trainer legen mehr Wert auf eine kompakte Verteidigung und enge Manndeckung. Die Verrücktheit, der Individualismus gehen zuweilen verloren.

Allerdings gab es auch von Beginn an Ausnahmen, die weniger konventionellen Fußball spielten. Eine bildete das Nationalteam Mexikos, das ähnlich wie bei der WM vor zwei Jahren für eine Überraschung gut war. El Tri vollführte jedoch einen Drahtseilakt, der sich nicht auszahlen sollte.

Trainer Juan Carlos Osorio forderte maximale Flexibilität von seinen Spielern, lief aber im Viertelfinale gegen Chile blauäugig ins offene Messer. Eine krachende 0:7-Niederlage beendete das Copa-Abenteuer des mexikanischen Teams, das auf eine große Fan-Unterstützung zählen konnte.

Halbfinal-Aus für den Gastgeber

Oftmals war die Stimmung bei den Spielen Mexikos besser als in den Partien des eigentlichen Gastgebers USA. An einen Turniersieg der Amerikaner glaubte sowieso kaum jemand. Und die Soccer-Gemeinschaft ist im Moment sehr gut darin, ihre Nationalmannschaft beziehungsweise die handelnden Personen mit Kritik zu überschütten. Obwohl die USA die eigene Gruppe gewannen und auch das Viertelfinale gegen Ecuador überstanden, verbesserte sich die Stellung von Nationaltrainer Jürgen Klinsmann keineswegs.

Der letzte Eindruck bleibt in Erinnerung: Und dieser war die 0:4-Klatsche gegen Argentinien, in welcher Klinsmann mit seiner angedachten Systemänderung genauso ratlos wirkte wie sein Spielmacher Michael Bradley, der mehr Pässe zum Gegner als zu eigenen Mitspielern brachte.



Rechtsverteidiger DeAndre Yedlin gab im Nachgang sogar zu, dass das US-Team vom aggressiven argentinischen Pressing überrascht wurde und anscheinend nicht optimal darauf vorbereitet war.

Im Vorfeld des Halbfinals schrieb Mittelfeldakteur Alejandro Bedoya einen Artikel für »The Players' Tribune«. Er äußerte sich zu den kritischen Stimmen, die behaupten würden, dass Amerikaner den Sport an sich nicht verstanden hätten. »Wir hören nicht auf diese Stimmen. Wir wissen, dass wir – zusammen mit unseren Fans – das Spiel weiter aufbauen werden«, versicherte Bedoya.

Doch dazu wird es im Nationalteam wohl einen Umbruch geben. Ob Klinsmann oder der 29-jährige Bedoya langfristig Teil davon sein werden, bleibt mehr als fraglich.

Brasiliens Glanz verblasst

Den x-ten Umbruch hat derweil Brasilien hinter sich. Von Erfolg waren sie nicht gekrönt. Nun ging das Experiment mit Trainer Dunga schief. Der 52-Jährige bestritt bereits seine zweite Amtszeit als Nationalcoach, und erneut konnte er mit seiner vornehmlich defensiven Vorstellung von Fußball keine großen Erfolge feiern.

Dunga übernahm das Amt nach der Heim-Weltmeisterschaft, in der Brasilien bekanntlich nach einer schmachvollen Niederlage gegen Deutschland ausgeschieden war.

Im vergangenen Jahr scheiterte Brasilien im Copa-Viertelfinale, in der Qualifikation zur WM 2018 liegt die Seleção nur auf Rang sechs, und bei dieser Copa überstand das Team nicht einmal die Gruppenphase.



Wenngleich die entscheidende Niederlage gegen Peru durch ein klares Handtor von Raúl Ruidíaz zustande kam, ist ein neuer Tiefpunkt erreicht. In den Partien gegen Ecuador sowie Peru zeigte Brasilien wenig von der früher so gefürchteten Offensivstärke.

Darüber kann ein 7:1-Sieg gegen den krassen Außenseiter Haiti auch nicht hinwegtäuschen. Die Seleção ist in einer Identitätskrise und gehört im Moment nicht zu den stärksten Mannschaften auf dem südamerikanischen Kontinent.