Zum Wechsel von Granit Xhaka

Hau ab, Du geile Sau!

Gladbach verliert das Herzstück seines Mittelfelds. Doch niemand ist böse. Das liegt an 45 Millionen guten Gründen. Und einer Jacke.

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Wenn Fanlieblinge ihrem Verein den Rücken zukehren, wird es oft hässlich. Söldner schimpfen die Anhänger ihn dann. Sie wünschen ihm alles Schlechte an den Hals. Oder Cathy Hummels. Nicht so bei Borussia Mönchengladbach und Granit Xhaka.

Ihm hoffen die Fans alles Glück auf Erden. Sie schreiben ihm Liebesbriefe hinterher, so wie der famose Blog »Mit Gedacht«. Und sprengen die sozialen Netzwerke mit ihren guten Wünschen: »Danke für die Zeit und alles Gute.« Oder: »Das Einzige, was mich wirklich traurig stimmt: Dass wir ihn nicht in der Kurve verabschieden konnten.«

Wie kann das sein, dass so gut wie gar niemand böse ist über diesen Wechsel? Nicht mal in der Schlammpfütze emotionaler Amokläufer, den Kommentarspalten des Internets.

Verständlicher Wechsel

Klar, die kolportierten 45 Millionen Euro Ablöse sind ziemlich genau 45 Millionen gute Gründe dafür. Außerdem haben die Gladbacher Anhänger in jüngster Vergangenheit eine gewisse Übung darin entwickelt, Verständnis zu zeigen. Ob Marco Reus, Dante oder Marc-André ter Stegen: Zumeist konnten die Fans der Fohlenelf bestens nachvollziehen, warum sie den Verein verließen, ja, verlassen mussten. 

Reus wollte zurück in seine Heimat, zu seinem Verein. Welchem Fußballromantiker wird da nicht das Herz zu Wackelpudding? Dante musste zu den Bayern, um seinen Kindheitstraum von der brasilianischen Nationalmannschaft zu erfüllen. Und bei ter Stegen, naja: FC fucking Barcelona eben. Wer da nein sagen kann, hat wahrscheinlich einen Sprachschatz von genau diesem, einen Wort. Oder trägt ein Ganzkörper-Tattoo von Real Madrid. 

Und auch bei Xhaka erkennt selbst ein vor Fanliebe erblindeter Anhänger, dass der FC Arsenal noch mal etwas Anderes ist als die Borussia. Wie war das, Granit? Die Premier League war immer Dein Traum? Als Kind hast Du auf der Playstation immer Arsenal genommen? Verstehe. Und jetzt hau ab, Du geile Sau, sonst verpasst Du noch Deinen Flug!

Selbst für Ronaldo zu viel

Doch bei Xhaka kommt noch etwas hinzu: Dieser Typ hat sich diesen Umgang, diesen Abschied schlicht und einfach verdient und erarbeitet.

Ein Typ, der zuweilen eine Haarpracht zur Schau trägt, für die Friseur-Azubis durch ihre Ausbildung rasseln sollten. Ein Typ, der Ohrringe trägt, an die sich selbst ein Cristiano Ronaldo nicht trauen würde, da sie ihm zu prollig wären. Ein Typ, der diese Jacke mit seinen #GX34-Initialen in Auftrag gab und trug.