Wie hält man die Klasse, Mike Hanke?

»Wir waren so was von motiviert!«

Viermal stand Mike Hanke mit seinen Klubs am Abgrund, viermal verhinderte er den Abstieg. Und so geht das, liebe Frankfurter/Bremer/Stuttgarter!

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Mike Hanke, der letzte Bundesliga Spieltag verspricht hauptsächlich im Tabellenkeller Spannung. Aber das ist ja Ihr Metier.
Ich war mit drei Teams im Abstiegskampf. Zweimal mit Wolfsburg, jeweils einmal mit Hannover und Gladbach. Solche Spiele am Schluss sind immer etwas Besonderes. Seit zwei Jahren bin ich Fußball-Rentner, ein entspanntes Leben. Aber diese Partien, diese Spannung, die vermisse ich schon manchmal.

Während Hannover bereits abgestiegen ist, kommt es in Bremen zum Entscheidungsspiel. Auch Stuttgart hat noch Chancen auf den Relegationsplatz. In Ihrer ersten Saison in Wolfsburg kam es 2006 ebenfalls zum Showdown am letzten Spieltag. Gegen Kaiserslautern durfte nicht verloren werden.
Wir waren so was von motiviert! Das Stadion war voll und wir waren froh, dass wir die Chance überhaupt noch hatten. Letztendlich hat man das auch auf dem Platz gespürt, wir waren extrem optimistisch, das Spiel zu gewinnen. Das hat man bei jedem einzelnen in jeder Sekunde gespürt. Wenn mal einer einen Hänger hatte, haben wir den gleich wieder aufgebaut. Das war echt beeindruckend.

Sie wurden in der Partie nur eingewechselt, obwohl Sie deutlich treffsicherer waren als Konkurrent Rick Hoogendorp. Ein Schlag ins Gesicht?
Natürlich war ich frustriert. Aber da ging es um den Klassenerhalt. Da sind persönliche Empfinden nicht wichtig und auch nicht entscheidend. Den Frust habe ich dann auch nicht nach außen getragen, sondern habe die Situation angenommen, verarbeitet und auch die Leute gepusht, die auf dem Platz standen. Als ich dann eingewechselt wurde, war ich noch motivierter. Mit einer Torvorlage beim 2:2 hatte ich dann doch noch einen großen Anteil am Nichtabstieg.

Im Abstiegskampf sorgen oft Querelen außerhalb des Platzes für Unmut. In Wolfsburg wurde dem damaligen Manager Thomas Strunz ein gestörtes Verhältnis zum Kader nachgesagt.
Das wurde von den Medien sehr aufgeputscht. Es gab keine großen Unstimmigkeiten. Auch später in Gladbach hat uns die Diskussion um die »Initiative Borussia« nicht belastet. Das ist auch ganz wichtig im Abstiegskampf. Mannschaft, Trainerstab und Betreuerteam müssen sich abschotten und alles andere nicht an sich heran lassen. Wenn der Zusammenhalt trotz der schwierigen Zeit groß ist, hast du gute Chancen die Klasse zu halten.

Im Jahr darauf wähnte man sich in Wolfsburg lange in Sicherheit. Am 28. Spieltag der Saison 20006/07 stand der VfL noch auf Position Sieben. Trotzdem rutschten Sie erneut in die gefährliche Zone. Wie groß ist die Gefahr, den Abstiegskampf auf die leichte Schulter zu nehmen?
Es ist auf jeden Fall leichter, wenn du den Kampf sofort annimmst und aufrechthältst. Das sieht man jetzt bei Stuttgart. Die waren erst unten drin, haben sich raus gekämpft und stehen nun wieder unten drin. Ich dachte eigentlich das Frankfurt die größten Schwierigkeiten bekommen wird, weil die anfangs nicht im Tabellenkeller waren.

Trotz des erneuten Abstiegskampfes hielt man in Wolfsburg an Cheftrainer Augenthaler fest. Eine richtige Entscheidung?
In der Situation war es sicher gut, am Trainer festzuhalten. Im Endeffekt war es wichtig, dass wir zusammengehalten und immer angenommen haben, was der Trainer von uns verlangte. Aber es gibt auch andere Beispiele. Man kann es nicht davon abhängig machen, ob der Trainer geht oder nicht. Ein Verein sollte erst handeln, wenn man sieht, dass die Mannschaft das Konzept des Trainers nicht mehr annimmt. Das war in Hannover und Gladbach der Fall.