Ein 96-Fan nimmt Abschied

Die Lichter gehen aus

Hannover 96 ist abgestiegen. Für unseren Autor und Hannover-Fan schließt sich damit ein Kapitel seiner Jugend.

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Ich muss wirklich mit mir kämpfen. Zum 120. Vereinsgeburtstag hat 96 ein Heft voller Erinnerungen geschickt. Darin: das emotionale Europapokalspiel in Kopenhagen, der unerwartete Pokalsieg 1992. Meine Augen brennen ein wenig, werden feucht. »Reiß dich zusammen, es ist nur Fußball«, sage ich mir. Aber es fällt schwer. Wahrscheinlich, weil in diesem Moment klar wird: Durch den Abstieg schließt sich auch ein Kapitel meiner Jugend.
 
Sofort blitzen all die Erlebnisse auf. Ich erinnere mich an meinen ersten Besuch im alten Niedersachsenstadion vor 14 Jahren. Mit meinen Fußballkumpels aus der E-Jugend durfte ich vor dem Spiel gegen Arminia Bielefeld mit den Profis aufs Feld laufen. Es war bitterkalt an diesem Dezembertag im Jahr 2002 – eine Saison nach dem Aufstieg aus der zweiten Liga. Doch spätestens als Fredi Bobic und Altin Lala aus dem Spielertunnel kamen, hatte ich die Kälte vergessen. Meine Hand griff Arminen-Kapitän Bastian Reinhardt, der frisch nach Aftershave roch. Das Foto vom Fernsehbild, auf dem wir beide zu sehen sind, hängt noch immer eingerahmt in meiner Studentenwohnung.
 
Einfach elektrisierend
 
Niemals vergessen werde ich den unglaublichen Coup gegen Bayern München vor fünf Jahren. Als Christian Pander zum umjubelten 2:0 traf, lag ich meinen Freunden in den Armen, schrie die ganze Freude heraus. Wir und die Nordkurve hinter dem Tor waren in völliger Ekstase. Der Überraschungssieg war das wohl beste Geschenk, das es für einen 96-Fan überhaupt geben konnte. Und ausgerechnet an diesem Oktobertag wurde ich 16 Jahre alt. Besser geht’s nicht! Nur: Jubelstürme gegen den Rekordmeister wird es in naher Zukunft nicht mehr geben.
 
Dafür kommt Eintracht Braunschweig wieder zu uns in die Landeshauptstadt. Na gut, für die erste Liga hätte ich auf das aufgeladene Derby verzichten können. Aber mal ehrlich: Ein Spiel gegen den größten Rivalen hat immer seinen Reiz. So wie im November 2013. Als der BTSV zum ersten Mal nach 1976 wieder in Hannover spielte, war die Kurve schon weit vor dem Anpfiff rappelvoll. Die Atmosphäre: elektrisierend. Im Block zogen wir die riesigen Transparente der Choreo über unsere Köpfe, darunter schmetterten wir die Hymne »Alte Liebe« – an diesem Abend mindestens doppelt so laut. Da war sogar die Nullnummer unten auf dem Rasen zweitrangig. Und nun? Nun ist das Derby demnächst nur noch zweitklassig.