Fünf Dinge, die wir von diesem Spieltag gelernt haben (31)

Die Verurteilten

Damit ihr auch am Sonntag mitreden könnt: die fünf Lehren der gestrigen Samstagskonferenz.

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American Pie
Es gibt keine kleine Menge an Fußballfans, die den FC Ingolstadt dorthin zurückwünschen, wo er hergekommen ist: in die zweite Liga. Noch besser Regionalliga, aber bleiben wir bescheiden. Denn seit Samstag hat der bayrische Klub gezeigt, weshalb er erstklassig ist. Besser: Der Platzwart hat es gezeigt. Mit einem wunderschönen Muster ausschließlich um den Mittelkreis, der an eine Kreuzung aus gedecktem Apfelkuchen und bayrischer Landesflagge erinnerte, gewann Ingolstadt völlig verdient den Schönheitspreis des 31. Spieltags – und dafür wäre das 2:2 gegen Hannover 96 nun wirklich nicht in die engere Auswahl gekommen.

Keine Frage, die Schanzer Greenkeeper wissen genau, wann ihr Rasen vertikutiert und aerifiziert werden muss. Welche Bestockungsvorteile ein Striegel hat. Wir wissen das seit drei Jahren übrigens auch. Dass der Ingolstädter Kollege sein Werk aber auch noch in einem Design tat, das wir zuletzt bei FIFA99 – das war die Ausgabe mit Wolf-Dieter Poschmann und Werner Hansch und somit wundervoll – gesehen hatten, lässt uns nur noch ehrfürchtig den beigen Gärtnerhut zücken.

Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Tja, liebe Dortmunder Borussia: Erst einmal herzlichen Glückwunsch zum nie gefährdeten 3:0-Sieg in Stuttgart. Henrikh Mkhitaryan war ja wieder super drauf. Und der Neue, der Christian Pulisic, der macht seinen Weg. Ganz bestimmt. Spätestens nächstes Jahr in der Champions League, die habt ihr ja auch sicher mit eurer Rekordpunktzahl von 74 Zählern als Tabellenzweiter.

Nur blöd, dass ihr euch von diesem Rekord wirklich nichts kaufen könnt. Da wird die vielleicht beste Saison seit Jahren gespielt – also auch seit allen Jürgen-Klopp-magische-Nächte-Jahren – und eure Mannschaft und der neue Trainer Thomas Tuchel stehen am Ende mit leeren Händen dar. Immerhin: Im DFB-Pokalfinale ist ja noch alles möglich, auch wenn ihr ausgerechnet gegen die Bayern spielen müsst. Spielt Mats Hummels dann eigentlich noch im schwarz-gelben Trikot oder sieht er sich das Finale von der Tribüne aus an wie anno dazumal Mario Götze in Wembley?

Das Leben ist wirklich ein mieser Verräter. Und nach dieser Saison, liebe Dortmunder, hättet ihr dieses Schicksal eigentlich nicht verdient.

Für ein paar Dollar mehr
Vor dem Spieltag machte Darmstadts Sandro Wagner mal wieder auf sich aufmerksam. Mit seiner Forderung nach höheren Spielergehältern sorgte der Goalgetter vom Böllenfalltor, nun ja, nicht gerade für Begeisterungsstürme: »Gemessen an all dem, was man aufgibt, finde ich, dass auch die bei Bayern zu wenig verdienen - selbst 12 Millionen oder so. Die Profis in den amerikanischen Ligen bekommen auch deutlich mehr.«  Immerhin gebe der Fußballprofi auf dem Weg in den bezahlten Fußball einiges auf, meinte Wagner: »Du hast kaum Freunde in der Jugend, kannst nicht einfach in die Disco abends. Da musst du fit sein, da hast du Spiele.«

Klar, kaum Freunde und keine Disco sollten mehr als zwölf Millionen wert sein. Findet auch die 11FREUNDE-Redaktion. Aus Gründen.

Wirklich hörenswert aber waren seine Aussagen am Abend im Sportstudio. Angesprochen auf seine nahezu wirr-wirkenden Forderungen, stellte der angehende Nationalspieler (Meinung liegt exklusiv beim Autor) klar: »Ich habe eher die Zweit- oder Drittliga-Spieler gemeint, die für mich eindeutig zu wenig verdienen.« Ein Fußballprofi also, der auch auf die Ärmeren schaut. Der von ihnen selbst gekommen ist und schon gar nicht mehr an den Erfolg geglaubt hat. Ein moderner Robin Hood? Mindestens.

Wir freuen uns bis dahin auf weitere Zitatschmuckstücke wie zum Beispiel: »Ich hab‘ keine Hobbys, nur Fußball« oder »Die Stadien und Fans sind hier mega geil, auch wenn ich überall ausgepfiffen werde.« Danke, Sandro Wagner.