Fünf Dinge, die wir von diesem Spieltag gelernt haben (29)

Die Explosion der Stille

Damit ihr auch am Sonntag mitreden könnt: Die fünf Lehren der gestrigen Samstagskonferenz.

Screenshot Sky

Das Abstiegsgespenst geht um
Die goldene 11Freunde-Salami in der Kategorie »Best Supporting Actor« geht in dieser Woche einstimmig an das Abstiegsgespenst im Frankfurter Waldstadion. Während Esther Sedlaczek und Jan Arge Fjortoft im Fernsehstudio noch über die Zukunftsaussichten der Abstiegskandidaten sinnierten, machte der unbekannte Kollege (es kursierte kurzzeitig das Gerücht, dass Thomas Schaaf unter dem Umhang stecke) im Stadioninnenraum für jeden Zuschauer sichtbar, welche Zeit gekommen ist: Abstiegskampf inklusive verheulten Fangesichtern auf Stehtribünen, versteinerten Mienen in Spielertunneln und randalierenden Ultras nach verlorenen Derbys.

Diesen Part übernahmen anschließend die stets engagierten Fans der Frankfurter Eintracht und stellten die Profis in Einzelgesprächen zur Rede. Hier streitet sich die 11Freunde-Redaktion noch über die Vergabe einer Auszeichnung in der Kategorie »Bestes Szenenbild«. Denn auch die Bremer Fans überzeugten in dieser Woche… Die stille Abstiegsangst droht langsam zu explodieren. Dabei bewiesen gerade die Anhänger aus Hoffenheim, dass weniger Druck manchmal mehr sein kann. Ihre Mannschaft spielte für einen existenzbedrohten Abstiegskandidaten in einigen Szenen erstaunlich unbekümmert.

Das falsche Signal
Es liegt nicht im Naturell des behäbig denkenden Norddeutschen frühzeitig in Panik zu verfallen. Das Schiff ist nach alter Seemannsweisheit schließlich erst untergegangen, wenn es am Meeresgrund liegt. Vielleicht ist das der Grund, weshalb den Bremer Fans erst fünf Spieltage vor Schluss die Abstiegsangst anzumerken ist. Jetzt jedoch richtig. Nach der späten 1:2-Niederlage gegen den FC Augsburg versperrten die Anhänger ihren Spielern den Weg zu ihren Autos. Polizei und Security mussten den Weg freiräumen. Zlatko Junuzovic, der als ehemaliger Held schon lange in Ungnade gefallen ist und somit sinnbildlich für die gesamte Mannschaft steht, wurde freundlich angeraten: »Geh zum HSV, du Zweitligaspieler«. Dabei müssten derzeit wohl eher die Bremer selbst mit potentiellen Kandidaten für die zweite Liga verhandeln, als sie ausgerechnet zum Erzfeind zu schicken.

Frust und Verzweiflung sitzen leider tief. Das war auch Manager Thomas Eichin anzumerken, der nach Spielschluss verkündete, dass der Posten von Trainer Viktor Skripnik nicht unumstößlich sei: »In der Bundesliga ist nichts unverhandelbar – keine Position. Aber unsere Marschroute ist es sicherlich nicht, den Trainer zu wechseln. Momentan schließe ich gar nichts aus, weil ich noch keine Gespräche geführt habe, weder mit meinen Geschäftsführerkollegen noch mit Mannschaft und Trainer.« Ähnliche Worte wählte erst vor einer Woche Hannovers Martin Baader – mit bekanntem Ergebnis. Das falsche Signal von Kapitän Eichin. Der unnötige Abschuss von Leuchtspurmunition. Denn weshalb die Bremer ausgerechnet jetzt, nach einem statistisch überlegenen und nur inkonsequenten Spiel gegen den direkten Konkurrenten Augsburg ihren Trainer wechseln sollten, bleibt abgesehen vom Argument Aktionismus schleierhaft.

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