Wie die Fans den Todesfall im Westfalenstadion erlebten

»Sehr würdevoll, sehr ehrlich«

Malte Schwietering vom BVB-Fanzine Schwatzgelb über den Vorfall beim Spiel gegen Mainz und die Reaktion der Fans.

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Malte Schwietering, wie haben Sie die Vorfälle gestern im Westfalenstadion miterlebt?
Ich stand wie üblich auf der Südtribüne und konnte von da mit den anderen Fans beobachten, dass in der Süd-West-Ecke des Stadions etwas passiert sein musste. An zwei verschiedenen Stellen waren mehrere Sanitäter zu sehen, der Einsatz dauerte bestimmt 20 Minuten. Da war uns klar: das war etwas sehr Ernstes.

Wann wurden Sie und die anderen Anhänger vom Tod des BVB-Fans informiert?
In der Halbzeit machte unser Vorsänger eine Ansage und klärte auf, dass da soeben ein Mensch gestorben war. Man werde, so erklärte er es über die Lautsprecher, auf den weiteren Support verzichten, sowohl akustisch, als auch optisch. Außerdem seien die Mainzer informiert worden, auch sie hätten sich sofort dazu bereit erklärt, es uns gleich zu tun.

Eine angemessene Reaktion?
Absolut. Würdevoll und in dieser Situation genau richtig. Nach Wiederanpfiff war es still im Stadion, lediglich an vereinzelten Stellen wurde noch gesungen, das geschah mit Sicherheit aus Unwissenheit. Alle Versuche wurden niedergepfiffen, bis auch der letzte im Stadion begriffen hatte, was passiert war. Zusätzlich klärten wir auf unseren Socialmedia-Kanälen über den Grund für das Schweigen auf, das erreichte in kürzester Zeit extrem viele Menschen.

Wenige Minuten später schwieg das komplette Westfalenstadion. Spieler, Trainer und Schiedsrichter sollen sehr irritiert gewesen sein.
Das habe ich gar nicht mehr so mitbekommen, wie die meisten anderen Fans war ich in Gesprächen vertieft, jeder hat auf seine Art und Weise versucht, mit dem Vorfall umzugehen. Ich habe die Atmosphäre als wirklich sehr ergreifend wahrgenommen. Die Spieler kamen nach dem Spiel in die Kurve. Normalerweise feiern sie nach einem Sieg vor der Südtribüne und machen zum Abschluss die Welle. Darauf haben sie diesmal verzichtet und sich ganz auf die Tribüne eingelassen, sich bloß eingehakt und damit einen Zusammenhalt symbolisiert.

Kurz vor Schlusspfiff sang das ganze Stadion dann den Klassiker »You´ll never walk alone«. Wie kam es dazu?
Die Idee dazu waberte schon während der kompletten zweiten Halbzeit durch den Block, unser Vorsänger hat dann in den Schlussminuten den Refrain angestimmt. Bald sang das komplette Stadion. Ehrlich gesagt bin ich kein Fan von YNWA, jedenfalls nicht in unserem Stadion, da wirkt es sonst eher Fehl am Platze. Aber gestern war das eine sehr würdevolle und vor allem sehr ehrliche Reaktion. Nach dem Schlusspfiff wurde das mit den Spielern auch noch wiederholt.



Wie bewerten Sie das, was im Spiel gegen Mainz passierte, einen Tag danach?
Zunächst mal ist das ein zutiefst trauriger Vorfall, der alle sehr ergriffen hat. Aber die Reaktion der Fans hat mir gezeigt, dass Fußball zum Glück doch noch kein glattes Hochglanzprodukt ist, sondern auch ein Ort für 80.000 Menschen, die vereinsübergreifend zusammen trauern und ihr Mitgefühl ausdrücken.