Diese Underdogs wollen die Großen aus dem Pokal werfen

»Das ist nicht Real Madrid, das ist Carl Zeiss Jena!«

Reutlingen, Viktoria Köln, Jena, Unterhaching – vier unterklassige Teams wollen ins Pokal-Achtelfinale. Mittendrin: der Neffe eines Schlagersängers, der Bruder eines Nationalspielers und ein Ex-Stürmer mit krummen Beinen.

imago

SSV Reutlingen, Oberliga
Reutlingen hat eine semi-glorreiche Vergangenheit, zumindest wenn man ein bisschen tiefer in den Vereinsarchiven kramt. 1950, darauf verweist man in Reutlingen gerne, nahm der Klub an der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft teil. Somit gehörte das Team damals offiziell zu den 16 besten Mannschaften Deutschlands.

In den folgenden Jahrzehnten spielte Reutlingen immer mal wieder in der Zweiten Liga. In der Saison 2000/01 stand das Team unter Armin Veh sogar kurze Zeit auf Platz drei, am Ende schaffte es den siebten Platz, was die beste Platzierung in der Vereinsgeschichte bedeutete. Danach ging es, vor allem aufgrund von Misswirtschaft, stetig bergab. Aktuell spielt Reutlingen in der Oberliga Baden-Württemberg und belegt dort nach 13 Spielen den zehnten Platz. Immerhin: Am vergangenen Wochenenende gewann der SSV 5:0 beim Freiburger FC.
 
Der Pokalheld:
Giuseppe Ricciardi. Ein Name wie aus einem Amiga-500-Computer-Fußballspiel von Dino Dini. Der Stürmer machte beim 3:1-Erstrundensieg gegen den Karlsruher SC alle drei Tore – per Elfmeter! Neulich zeigte er im Interview mit der »Südwestpresse«, dass er auch in Sachen Floskeln ganz Profi ist. Auf die Frage, ob es die Chance auf ein Weiterkommen gibt, sagte er: »Das Spiel beginnt bei 0:0.« Verrückter Fußball! 
 
Alte Bekannte:
Georgi Donkow ist seit Sommer 2015 Trainer beim SSV. Der Deutsch-Bulgare spielte in der Bundesliga für Köln und Bochum. Für den FC machte er in 81 Spiele nur zehn Tore, weswegen ihm die Fans einen Song widmeten: »Er hat krumme Beine, aber Tore schießt er keine.« Später kickte er noch für Klubs wie Xamax Neuchatel, Enosis Neon Paralimni, SC Paderborn oder Waldhof Mannheim. Apropos Mannheim: Sportdirektor des SSV ist seit dieser Saison der ehemalige Waldhof-Spieler und -Trainer Maurizio Gaudino.
 
Der Gegner:
Nach einem Fehlstart (ein Punkt aus den ersten drei Spielen) hat sich Zweitligist Eintracht Braunschweig wieder gefangen. Zwischenzeitlich gewann das Team 6:0 gegen den KSC und 5:0 in Duisburg. Am Wochenende siegte Braunschweig 1:0 gegen Heidenheim und rückte auf Platz fünf vor. Braunschweig-Trainer Torsten Lieberknecht erklärt in der »Südwestpresse«, dass sein Team gut vorbereitet sei. Über Gaudino sagt er: »Wir haben uns mal bei einer Reha in Regensburg getroffen, als wir beide verletzt waren.«
 
Unsere Lieblingsfrisur der Vereinsgeschichte:


Klaus Schmidt, 1991 (Bild: Imago)